Unternehmen, Behörden und Bürger:innen sind sich einig: Elektronischen Diensten auf Basis einer sicheren, einzigen, digitalen Identität gehört die Zukunft. So das Fazit der Studie „Security & digitale Identitäten in einer digitalisierten Welt“, die eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. heute gemeinsam mit techconsult vorgestellt hat. Im Rahmen dieser Studie wurden 170 Unternehmen aus allen Branchen und aller Größenordnungen, 40 Behörden und 300 Bürger:innen in Deutschland ab 16 Jahren zu ihren Einschätzungen bezüglich digitaler Identitäten befragt.
Die Ergebnisse lassen auf große Potenziale für den künftigen Einsatz digitaler Identitäten sowohl für digitale Geschäftsmodelle als auch für E-Government-Dienstleistungen schließen, zeigen aber auch bestehende Hürden bei rechtlichen Fragestellungen sowie der technischen Umsetzung auf. Insbesondere die u. a. von der EU geplante Bereitstellung einer einzigen zentralen digitalen Identität wird von einer Mehrheit der Nutzer:innen zwar befürwortet, stößt aber auch noch auf große Sicherheitsbedenken. „Eine gut funktionierende Infrastruktur für digitale Identitäten ist ein zentraler Wettbewerbs- und Erfolgsfaktor für den Digitalstandort Deutschland. Um die Potenziale digitaler Identitäten voll ausschöpfen zu können, müssen sich jedoch alle Stakeholder an einem souveränen, sicheren und vertrauenswürdigen europäischen Ökosystem für Identitäten beteiligen“, sagt Prof. Dr. Norbert Pohlmann, eco Vorstand für IT-Sicherheit.
Großes Potenzial: Nutzung digitaler Identitäten steigt jährlich um rund 20 bis 30 Prozent
Die immer weiter fortschreitende Digitalisierung in allen Lebensbereichen macht das sichere elektronische Ausweisen gegenüber Behörden und privaten Unternehmen im Internet unabdingbar. Schon jetzt kommen digitale Identitäten besonders in großen Unternehmen und Behörden häufig zum Einsatz: 52 Prozent der befragten Unternehmen verwenden bereits gegenüber Kund:innen Technologien zur eindeutigen Identifikation. So lassen sich beispielsweise SIM-Karten bei Telekommunikationsanbietern per Online-Ausweis aktivieren, Zahlungen im E-Commerce durchführen oder Depots bei Kreditinstituten per digitaler Identität eröffnen.
Für die eigenen Mitarbeiter:innen werden gar in 59 Prozent der Unternehmen Identifikationstechnologien eingesetzt. In Zukunft planen mindestens drei Viertel der Unternehmen Technologien zur elektronischen Identifikation einzusetzen. Dies entspricht einem Anstieg der Nutzungsgrade von knapp 20 bis 30 Prozent. Rund drei von vier Unternehmen (73 Prozent) sehen bereits einen direkten Einfluss digitaler Identitäten auf ihren Geschäftserfolg. Jedes dritte befragte Unternehmen attestiert sicheren digitalen Identitäten sogar eine essenzielle Bedeutung für zukünftige digitale Geschäftsmodelle.
E-Government: Mehrheit der befragten Bürger:innen (60 Prozent) wünscht sich von Behörden mehr Online-Services und bessere Benutzerfreundlichkeit (76 Prozent)
Öffentliche Verwaltungen sind beim Angebot von Diensten auf Basis von digitalen Identitäten wie der eID bereits ein ganzes Stück weiter als Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Kommunen verfügt über Dienste, die von Bürger:innen sowie Unternehmen genutzt werden können, beispielsweise digitale Verwaltungsdienstleistungen mit dem Online-Ausweis, digital durchführbare Fahrzeugzulassungen oder die papierlose Abgabe der Steuererklärung (ELSTER). Die Verfügbarkeit von Diensten wird in Zukunft noch stark ansteigen. So planen knapp 28 Prozent der Kommunen, die bisher noch keine digitalen Bürgerdienste anbieten, in Zukunft erste Angebote einzuführen.
Dass Dienste auf Basis von elektronischen Identitäten großes Potenzial haben, zeigen auch die Ergebnisse der Bürger:innenbefragung. Knapp zwei Drittel der befragten Bürger:innen haben bereits digitale Angebote von Banken und Versicherungen genutzt. Dazu nutzte mehr als die Hälfte der Bürger:innen Dienste auf Basis einer digitalen Identität im Bereich E-Commerce. Ein knappes Drittel hat darüber hinaus bereits Mobilitätsdienste z.B. für Bahntickets oder Ladestationen in Anspruch genommen, wohingegen Behördendienstleistungen bislang nur von knapp 30 Prozent der Bürger:innen genutzt werden.
Grundsätzlich würden Bürger:innen in Zukunft in vielen Bereichen Dienste auf Basis digitaler Identitäten nutzen, sofern diese auch breit verfügbar wären. Insbesondere im E-Government-Bereich wünschen sich die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) von Behörden mehr Online-Services und bessere Benutzerfreundlichkeit (76 Prozent). Beispielsweise würden 55 Prozent der Bürger E-Government-Dienste nutzen, um ihre Behördengänge digital statt vor Ort durchzuführen. Weitere 55 Prozent würden Mobilitätsdienste verwenden. 42 Prozent können sich auch vorstellen, digitale Gesundheitsdienstleistungen zu nutzen.
Universale digitale Identität vor allem von Mehrheit der Behörden und Unternehmen befürwortet
Insbesondere die Einführung einer zentralen digitalen Identität, wie sie unter anderem die EU plant, wird von vielen Nutzer:innen befürwortet. Ein Drittel der Bürger:innen verwaltet aktuell mehr als zehn verschiedene Benutzer:innenkonten, um Internetdienste zu nutzen. Jede:r Zehnte verfügt sogar über mehr als 20 Benutzer:innenkonten. Eine einzige universal nutzbare digitale Identität könnte diesen Wildwuchs ablösen und Menschen in die Lage versetzen, mit einer einzigen Identität ein möglichst großes Spektrum an privaten und behördlichen Diensten zu bedienen. Rund 35 Prozent der Befragten wünschen sich laut Studie eine zentrale digitale Identität, um die zahlreichen Benutzer:innenkonten abzulösen. Auch neun von zehn der befragten Behörden sowie über die Hälfte (55 %) der Unternehmen wünschen sich solche zentralen Identitäten.
Herausforderungen: Vertrauen der Nutzer:innen, sowie technische und rechtliche Fragestellungen
Damit digitale Identitäten von Bürger:innen genutzt werden, müssen Hürden überwunden werden. Am stärksten sehen Bürger:innen vor allem mangelnden Datenschutz bzw. die Sicherheit der Daten als Problemfeld, das gegen den Einsatz von digitalen Identitäten spricht. 46 Prozent der befragten Bürger:innen platzierten dies auf ihrer Top3-Liste. Dahinter folgt das mangelnde Vertrauen gegenüber der Technologie und den dahinterliegenden Diensten (35 Prozent).
Unternehmen (33 Prozent) und Behörden (53 Prozent) nannten vor allem die verschiedenen rechtlichen Fragestellungen in Bezug auf digitale Identitäten als Herausforderung. 46 Prozent der Unternehmen sowie 53 Prozent der Öffentlichen Verwaltungen wünschen sich rechtliche Beratungsleistungen, um Dienste auf Basis von Identitäten rechtssicher einzuführen. Ebenfalls weit oben auf der Wunschliste stehen technische Beratungsleistungen. Sowohl auf Seiten der Unternehmen (46 Prozent) als auch in öffentlichen Verwaltungen (45 Prozent) benötigen fast die Hälfte der Befragten Unterstützung bei Fragen wie der Einbindung der Dienste in die bestehende IT-Infrastruktur.
„Unternehmen und Behörden sollten dringend die Möglichkeit prüfen, mit Hilfe von externen Anbietern eigene Qualifikationslücken zu schließen.“, sagt Raphael Napieralski, Analyst von techconsult. Nur Unternehmen und Behörden, die ihre Lücken schließen und sichere digitale Identitäten zu einem Kernaspekt ihrer künftigen Geschäftsstrategie erheben, werden ihre digitale Geschäftsmodelle zukünftig auch weiterhin erfolgreich umsetzen können.“, so Napieralski weiter.
Die Studie steht hier kostenfrei zum Download bereit: zum Download
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