Die von der Pandemie ausgelöste Kündigungswelle war vor allem in den USA zu beobachten, wo sie als „The Great Resignation“ Schlagzeilen machte. Aber auch in Deutschland kam es in manchen Bereichen zu einem verstärkten Mitarbeiterschwund: so zum Beispiel in der Gastronomie. Viele Angestellte wurden zunächst entlassen und kehrten nicht an ihre Arbeitsplätze zurück, als es wieder Bedarf gab. In den Krankenhäusern hielten einige der zusätzlichen Belastung durch Covid nicht Stand und kündigten, frustriert vom hohen Arbeitsdruck und der geringen Bezahlung.
Dieser Trend wird, wie es scheint, noch eine Weile anhalten. Dennoch sollten die Unternehmen den Blick nach vorne richten und sich auf ein „Great Onboarding“ konzentrieren. Sicher, einige Arbeitgeber werden ihre besten Leute verlieren. Doch andere werden die Gelegenheit nutzen, ihr Personal mit qualifizierten Fachkräften aufzustocken. Wer in diesen Zeiten seine wichtigsten Mitarbeiter halten und gleichzeitig neue Spitzenkräfte einstellen und aufbauen kann, ist klar im Vorteil.
Um herauszufinden, wie qualifizierte Arbeitskräfte gewonnen werden können, wurde vor Kurzem eine internationale Studie mit mehr als 16.000 Arbeitnehmern aus 24 Ländern durchgeführt. Folgende Frage wurde ihnen gestellt, um ihre Anforderungen an eine neue Arbeitsstelle zu ermitteln: „Welches der folgenden Kriterien wäre für Sie am wichtigsten, wenn Sie auf der Suche nach einer neuen Stelle wären?“ Die Befragten hatten acht Antworten zur Auswahl.
Hier die Ergebnisse:
- Gute Bezahlung ist das Minimum: 31 % der Beschäftigten aller Länder gaben an, dass die Bezahlung für sie das mit Abstand wichtigste Kriterium für die Arbeitssuche sei. In 20 Ländern stand dieses Kriterium an allererster Stelle, unter anderem in Deutschland (30 %). Den höchsten Prozentsatz erzielte die Bezahlung bei den Mexikanern (38 %) und den Südkoreanern (37 %), den niedrigsten in Indien (18 %).
- Aufstiegschancen in einigen Ländern zentral: Für vier Länder – Brasilien, Indien, Thailand und Vietnam – waren die Aufstiegschancen am neuen Arbeitsplatz am wichtigsten. In Indonesien, Italien, Mexiko und Spanien wurde dieses Kriterium an zweiter Stelle genannt. Insgesamt war der Wunsch nach Beförderungsmöglichkeiten sehr unterschiedlich ausgeprägt: Während er bei 36 % der befragten Mexikaner als Hauptkriterium galt, war dies nur bei 6 % der Deutschen und 3 % der Japaner der Fall.
- Arbeitsumgebung spielt für alle eine Rolle: Für 15 der 24 Länder kristallisierte sich eine angenehme Arbeitsumgebung als insgesamt zweitwichtigster Faktor für die Stellenwahl heraus. Auch diesem Kriterium wurde eine sehr unterschiedliche Bedeutung beigemessen: Während es für ganze 30 % der Japaner und Südkoreaner sowie für 29 % der Deutschen ganz oben stand, betrug dieser Anteil in Mexiko nur 6 %.
- Funktionen und Zuständigkeitsbereiche sind meist sekundär: Für nur 13 % aller Befragten waren die Funktionen und Zuständigkeitsbereiche das primäre Entscheidungskriterium. In Belgien, Frankreich und den Philippinen stand dieses Merkmal allerdings an zweiter Stelle. Der Anteil der Befragten, die es als Hauptkriterium einstuften, war in den Philippinen (18 %) am höchsten und in Hongkong und Mexiko (8 %) am niedrigsten. In Deutschland betrug er 10 %.
- Kollegen sind vor allem in China wichtig: Während insgesamt nur 7 % aller Befragten nette Kollegen als Hauptkriterium nannten, waren es in China immerhin 18 %. In den Ländern, in denen der zweithöchste Anteil zu verzeichnen war (Deutschland, Belgien und Hongkong), stuften nur 10 % der Befragten ihre Kollegen als wichtigstes Kriterium für einen neuen Job ein.
Andere Bereiche haben geringere Bedeutung: Der Wunsch, zu Hause zu arbeiten, hatte nicht für viele Arbeitnehmer Priorität: Mit 10 % war dieser Anteil in Brasilien, Kanada und Indien am höchsten. In Deutschland betrug er nur 6 %. Die beiden Kriterien mit den geringsten Auswahlquoten wurden nicht in die Ergebnistabelle aufgenommen. Hier die wichtigsten Zahlen: Das Kriterium Unternehmensmission wurde von den Indern am höchsten bewertet (9 %), das Kriterium netter Chef von den Arbeitnehmern aus Hongkong (7 %).
Diese Studie bietet einen Überblick, was den Beschäftigten aus allen Teilen der Welt wichtig ist. Damit Sie sich als Unternehmen ein besseres Bild von Ihrer Belegschaft machen können, benötigen Sie genauere Daten zu deren Präferenzen. Hierfür eignet sich ein Conjoint-Analysetool, das beispielsweise auch für die Qualtrics-Studie zu US-amerikanischen Stellenbewerbern
(https://www.xminstitute.com/blog/candidates-want-good-managers/) verwendet wurde. Mit diesem Tool können Sie herausfinden, welche Kompromisse Ihre potenziellen Mitarbeiter eingehen würden. Diese Informationen helfen Ihnen nicht nur, sich als starker Arbeitgeber zu positionieren, der Top-Arbeitskräfte gewinnt und hält. Sie ermöglichen Ihnen auch, erstklassige Onboarding-Prozesse zu entwickeln, mit denen Ihre Bewerber in kürzester Zeit zu hochproduktiven, engagierten Mitarbeitern werden.
Fazit: Entscheidend ist nicht wer geht, sondern wen Sie für sich gewinnen können.
Autor: Bruce Temkin
Leiter des Qualtrics XM Institute
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