Aktuell registriert etwa jeder fünfte Arbeitgeber (21 %) mehr freiwillige Kündigungen als vor der Pandemie. Das zeigt die aktuelle Arbeitsmarktstudie von Robert Half, einem Anbieter von Talentlösungen. Unzufriedenheit beim Gehalt spielt für diese Kündigungen häufig eine Rolle – aber längst nicht die einzige. Zu den meistgenannten Gründen zählen neben der mangelnden Aussicht auf eine Gehaltserhöhung oder Beförderung (14 %) auch die Sorge um den Arbeitsplatz (13 %), Probleme mit dem direkten Vorgesetzten (11 %), die Unvereinbarkeit von Werten (11 %) und zu niedrige Gehälter oder unattraktive Benefits (10 %).
Top-5-Kündigungsgründe 2021 | |
Keine Aussicht auf Gehaltserhöhung/Beförderung | 14 % |
Sorgen um Arbeitsplatzsicherheit | 13 % |
Probleme mit direktem Vorgesetztem | 11 % |
Unvereinbarkeit von Werten | 11 % |
Keine wettbewerbsfähigen Gehälter/Benefits | 10 % |
Quelle: Robert Half Arbeitsmarktstudie 2021
In der Arbeitsmarktstudie von 2019 waren noch ein zu niedriges Gehalt und die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Beruf die Hauptkündigungsgründe. „Wir beobachten, dass dies nicht mehr die ausschlaggebenden Motive für eine freiwillige Kündigung sind. Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben die in der Pandemie eingeführten Home-Office-Möglichkeiten sicherlich bereits einen großen Teil zur Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung beigetragen“, sagt Emine Yilmaz, Vice President bei Robert Half.
Jedoch verursacht jede freiwillige Kündigung Kosten und einen Verlust an Wissen. Unternehmen möchten ihre Top-Mitarbeiter*innen lieber halten – insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels. Deshalb ist aktives Gegensteuern ratsam.
Fünf Tipps von Emine Yilmaz, wie Arbeitgeber das Risiko einer freiwilligen Kündigung ihrer Mitarbeiter reduzieren können:
1. Transparente interne Kommunikation
Wenn sich Mitarbeiter*innen Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen und aus diesem Grund kündigen, kann auch ein Missverständnis vorliegen. Der Mitarbeitende denkt womöglich aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen, es gehe dem Unternehmen schlecht – obwohl die realen Zahlen dazu keinen Anlass geben. Hier kann eine transparente interne Mitarbeiterkommunikation ansetzen, die über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens informiert und offen Stellung nimmt.
2. Flexible Arbeitszeiten und Remote Work
Beides verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und trägt im Sinne der Work-Life-Balance zu einer höheren Zufriedenheit bei. In vielen Berufen ist ein hohes Maß an eigenverantwortlichem Arbeiten und freier Zeiteinteilung möglich. Diese Spielräume erlauben kreatives Arbeiten und individuelle Denkpausen.
3. Wertschätzung ausdrücken
Wer seine Mitarbeiter*innen wertschätzt und ihnen das Gefühl gibt, wichtig für das Unternehmen zu sein, prägt das Gruppengefühl und die emotionale Bindung. Gleiches gilt für ein gutes Arbeitsklima – hier spielt der Wohlfühlfaktor eine große Rolle.
4. Mitarbeitende aktiv fördern
Mitarbeitende, die nicht stillstehen wollen, sondern Ziele haben, sind dankbar für eine kooperative Mitarbeiterentwicklung. Sie fühlen sich wahrgenommen, wichtig und unterstützt.
5. Werte und Unternehmenskultur leben
Auch Werte und Unternehmenskultur spielen eine große Rolle: flache Hierarchien, Mitbestimmung und Kommunikation auf Augenhöhe stärken das Identifikationspotenzial. Wichtig ist, dass die Unternehmensleitbilder nicht nur imagebildend nach außen wirken, sondern auch gelebt werden. Dies regelmäßig zu überprüfen, ist eine wichtige Führungsaufgabe.
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