Die große Mehrheit der Startups in Deutschland benötigt in den kommenden zwei Jahren frisches Geld. Gerade einmal 2 Prozent geben an, dass sie keinen Kapitalbedarf haben, 7 von 10 (71 Prozent) benötigen dagegen neue Mittel, rund jedes Vierte will dazu keine Angaben machen.
Der durchschnittliche Kapitalbedarf beträgt dabei 3,3 Millionen Euro – und durch die Corona-Krise sehen viele eine deutlich gesunkene Chance für eine erfolgreiche Finanzierung. So gaben zu Jahresbeginn noch 17 Prozent an, dass das benötigte Kapital bereits zur Verfügung steht. Von den Übrigen hielt es jedes dritte Startup (34 Prozent) für sehr wahrscheinlich, die benötigten Finanzmittel einsammeln zu können, gut jedes zweite (49 Prozent) für eher wahrscheinlich.
Nach dem Lockdown hat sich die Zuversicht stark eingetrübt
Nur noch jedes Zehnte (10 Prozent) sieht den Kapitalzufluss als gesichert an. Von den Übrigen halten 18 Prozent eine erfolgreiche Finanzierung jetzt für sehr wahrscheinlich, unverändert 49 Prozent sehen dies als eher wahrscheinlich an.
Das ist das Ergebnis von Untersuchungen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die im Februar und März 206 Startups sowie im Mai und Juni 112 Startups befragt wurden. „Ohne erfolgreiche Finanzierungsrunden drohen Startups mit ihren hochqualifizierten Arbeitsplätzen und innovativen Technologien und Lösungen unverschuldet zu verschwinden. Dies müssen wir wo immer möglich verhindern, wenn wir Deutschland als erfolgreichen Startup-Standort erhalten wollen“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Von den Ideen erfolgreicher Startups profitieren hierzulande Mittelstand und Großunternehmen ebenso wie die öffentliche Hand.“
Umzug ins Ausland
Einen Ausweg sieht fast jedes vierte Startup in einem Umzug ins Ausland. 23 Prozent überlegen, Deutschland mit ihrem Startup zu verlassen, weil es hier zu wenig Kapital gibt. Zwei Drittel (69 Prozent) meinen, dass es in Deutschland zu wenig Venture Capital für Startups gibt. Und sogar drei Viertel (74 Prozent) sagen, dass es Startups in Deutschland helfen würde, wenn Versicherungen und Pensionsfonds einfacher in Venture Capital investieren können.
Ein Börsengang zur Finanzierung kommt dabei nur für eine Minderheit der Startups in Frage. Gerade einmal jedes Fünfte (19 Prozent) streben den Gang aufs Parkett überhaupt an. „Weltweit mangelt es nicht an Venture Capital, wohl aber in Deutschland. Anders als in den USA treten institutionelle Investoren hierzulande bislang kaum als Startup-Finanzierer in Erscheinung. Angesichts der Corona-Folgen ist es daher besonders wichtig, dass der Zukunftsfonds für Startups noch in diesem Jahr kommt“, so Berg. Verglichen mit den Vorjahren ist der Kapitalbedarf der Startups nur leicht gestiegen. Im vergangenen Jahr hatten Startups für die kommenden zwei Jahre einen durchschnittlichen Bedarf von 3,2 Millionen Euro angegeben. 2018 lag dieser bei 3,1 Millionen Euro, 2017 bei nur 2,5 Millionen Euro.
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