Mehrwertdienstemarkt 2011

Von: Susanne Feldt am 04.01.2012

Servicenummern sind ein beliebtes und erprobtes Mittel des Kundenkontakts. Der Markt entwickelt sich jedoch weiter rückläufig. Die aktuellen Zahlen des VATM scheinen auf den ersten Blick sogar einen dramatischen Absturz der Servicenummern in der Gunst der Nutzer anzudeuten – doch das stimmt nicht, wie TeleTalk exklusiv zeigt.

Die Anbieter von Servicerufnummern erreichten  in diesem Jahr insgesamt einen geschätzten Umsatz von 683 Millionen Euro, das zeigen aktuelle Marktzahlen des Branchenverbands VATM und Dialog Consult. 51 Prozent (348 Millionen) des Umsatzes geben dabei allein auf das Konto der Telekom, die übrigen 49 Prozent (335 Millionen) verteilen sich auf die sämtlichen übrigen Wettbewerber. Das gesamte Minutenvolumen der Verbindungen über Rufnummern wie 0180, 0800, 0900, 0137 oder 118xy ist damit nach Aussage des Verbands um neun Prozent gesunken. Den Bärenanteil der Verbindungen machen 0180- und 0800-Rufnummern mit 89 Prozent aus, die restlichen elf Prozent entfallen auf die übrigen Dienste.

Ein weiteres Ergebnis der Studie zeigt: Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass die SMS nicht länger als Kommunikationsmittel attraktiv sei, zeigt die aktuelle Marktstudie jedoch, dass der Versand der Kurznachrichten weiter ansteigt: 117 Millionen SMS werden demnach täglich in Deutschland hin- und herverschickt – 2009 waren es täglich 93 Millionen, 2010 bereits 112 Millionen. Von den aktuell erwarteten 117 Millionen Kurznachrichten sind allerdings gerade etwas über eine halbe Million (559.000) Premium-Nachrichten – davon wiederum 98 Prozent Premiums-SMS (547.000) und 1,6 Prozent Premium-MMS (8.944).

Dramatische Veränderung?

Der VATM und Dialog Consult beobachten den Mehrwertdienstemarkt bereits seit Jahren und ermöglichen so einen guten Überblick über Veränderungen des Geschäfts. Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre und insbesondere ein Vergleich der aktuellen Zahlen mit denen des Jahres 2010 offenbart jedoch überraschendes: Demnach beträgt das Verkehrsvolumen des Wettbewerber der Telekom im Bereich Servicerufnummern aktuell 4,1 Millionen Minuten pro Tag – an gleicher Stelle war für das Jahr 2010 zuletzt ein Verkehrsvolumen von über 20 Millionen Minuten ausgewiesen. Für das Jahr 2011 weist die Studie zudem den Minutenanteil der einzelnen Gassen aus.

Demnach erreichte 2011:

0700: 0,4 Prozent
0800: 33 Prozent
0180: 56 Prozent
0900: 6 Prozent
0137: 2 Prozent
118xy: 3 Prozent

Das Minutenvolumen und die Prozentanteile der Gassen weichen dramatisch von denen des vergangenen Jahres ab, so war beispielsweise für die Gasse 0800 für 2010 noch ein Minutenanteil von 42 Prozent ausgewiesen, für 0180 ein Anteil von 28 Prozent und von 0900 von 16 Prozent. Was ist geschehen?

Auf Nachfrage von TeleTalk zu diesen dramatischen Veränderungen verweisen VATM und Dialog-Consult allerdings nicht auf einen drohenden Zusammenbruch des Markts – Gott sei Dank – sondern auf wesentliche Änderungen bei der verwendeten Datenbasis, auf die bislang in der Studie allerdings nicht hingewiesen worden war.

Telekom weiter marktbeherrschend
 Der Markt für Telekommunikationsdienste wird im Jahr 2011 in Deutschland iinsgesamt einen Wert von rund 60 Milliarden Euro erreichen, das zeigen aktuelle Zahlen von VATM und Dialog Consult. Davon entfallen rund 33  Milliarden Euro auf den Bereich Festnetz, und 24 Milliarden Euro auf den Mobilfunk. Der Festnetzmarkt verlor damit rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Mobilfunk 1,2 Prozent. Die Kabelnetzbetreiber erwirtschafteten 3,8 Milliarden Euro Umsatz, das ist ein Plus von  2,7 Prozent. Die Telekom bleibt im Festnetzmarkt mit 53 Prozent Umsatzanteil der marktbeherrschende Anbieter, verliert durch Kundenabwanderung aber rund 800 Millionen Euro Umsatz. Die Wettbewerber wiederum  erreichen durch Kundenwachstum und Effizienzsteigerung im Festnetz ein Umsatzwachstum von fast 500 Millionen Euro.  

Die Darstellung der Umsätze und Minuten mit Auskunfts- und Mehrwertdiensten (AMWD) sei im Vergleich zu den Vorjahren geändert worden, in der aktuellen Studie dargestellt sind demnach nur die Umsätze beziehungsweise Minuten, die originär von Unternehmen auf Basis eigener technischer AMWD-Plattformen generiert werden. Umsätze beziehungsweise Minuten durch Weiterleitung, Weitervermarktung und Veredelung sind in diesen Daten nicht enthalten – waren es aber demzufolge in den vergangenen Jahren. Aufgrund dieser veränderten Datenbasis für die Erhebung seien keine Vergleiche der aktuellen absoluten Zahlen mit den früheren Studien möglich. „Auch Vergleiche der prozentualen Anteile der einzelnen Gassen zwischen 2010 und 2011 sind nicht aussagekräftig“, erklärt Dialog Consult-Geschäftsführer Andreas Walter gegenüber TeleTalk.

Der VATM hat TeleTalk nun exklusiv die neu berechneten Zahlen für das Jahr 2010 zur Verfügung gestellt und damit wieder für Vergleichbarkeit gesorgt: Nach der neuen Berechnungsgrundlage ergibt sich für 2010 ein Minutenvolumen von 4,51 Millionen Minuten pro Tag durch die Wettbewerber der Telekom, im Jahr 2011 sind es gut 4, 1 Millionen Minuten und damit neun Prozent weniger als im Vorjahr. 

Demnach erreichte 2010 berichtigt:

-0700: 0,4 Prozent (0,02 Millionen Minuten/ Tag)
-0800: 33,2 Prozent (1,49)
-0180: 55,1 Prozent (2,49)
-0900: 5,9 Prozent (0,27)
-0137: 2,3 Prozent (0,10)
-118: 3,1 Prozent (0,14) 

Die Veränderungen zu 2011 fasst der VATM für TeleTalk zusammen: Die Gasse 0137 ist überproportional rückläufig, unter anderem steht dies auch in Verbindung mit dem Rückzug kompletter TV-Sender wie 9Live. Dasselbe gilt für die Gasse 0900, aus der sich die Telekom jüngst komplett verabschiedet hat, das Angebot wurde ‚Ende Oktober eingestellt (siehe TeleTalk 10/2011). Auch die Auskunftsgasse 118xy verliert, insbesondere, da entsprechende Leistungen kostenlos bezogen werden können. Allerdings: „Die Telefonauskunft ist weiterhin ein Premium-Service, den immer noch viele Menschen schätzen und nutzen, vor allem für Mehrwertdienste wie Hotelreservierung oder auch Weckdienste und anderes“, so VATM-Sprecherin Corinna Keim gegenüber TeleTalk. Da die Gassen 0800 und 0180 im Vergleich zu den übrigen Gassen eher unterdurchschnittlich rückäufig sind, ergibt sich im Verhältnis eine Zunahme des Anteils.


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Mehr zum Thema lesen Sie in dem Beitrag von Verena Buchbinder und Stefan Krimmer, gkk DialogGroup, München

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