Technik mit Migrationshintergrund

Von: Jürgen Signer am 15.03.2011

Eine aktuelle Umfrage zeigt: Die Finanzdienstleister sind Vorreiter bei der Einführung und Nutzung von Unified Communications-Lösungen. Der sanfte Wechsel zu UC ist dabei generell besonders wichtig.

Die Finanzdienstleister gehören zu den so genannten Innovatoren, wenn es um den Einsatz von Unified Communications- Lösungen (UC) geht, das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan im Auftrag des ITK-Anbieters Aastra. Befragt wurden dazu 169 Unternehmen, darunter Systemintegratoren, Serviceprovider, Consulter, Distributoren und Reseller. 41 Prozent der befragten Unternehmen stammen aus Deutschland.

Ausgeprägtes Effizienzdenken

Es zeigt sich: Die Teilnehmer sehen im Branchenvergleich bei den Finanzdienstleistern das höchste Nachfragepotenzial nach kompletten UC-Lösungen oder einzelnen UC-Diensten – erst an zweiter Stelle rangiert die ITK-Branche. Es folgen Dienstleister aus den Bereichen Immobilien, Consulting, Rechnungswesen, der Bereich Gesundheitswesen und die Verwaltung.

Im Rahmen der Umfrage wird das recht eindeutige Ergebnis damit erklärt, dass gerade Finanzinstitute traditionell auf moderne Technik setzen, um Geschäftsprozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen. Gleichzeitig möchten sie den Service für ihre Kunden erhöhen – Parallelen findet man beispielsweise bei der Einführung von Online- Banking. Die Teilnehmer der Umfrage gehen aber davon aus, dass sich auch im Bereich der Kommunikation der Effizienzgedanke durchsetzen wird. Die geringsten Vermarktungschancen von UC sehen die Befragten dagegen im Einzelhandel, im Bereich der Erziehung und im Baugewerbe.

Gefragt nach den Hauptmotiven für den Einsatz von UC, antworten die Befragten vor allem mit den Stichworten Kosteneinsparung und Steigerung der Produktivität (je 85 Prozent). Danach folgen Mobilität und Homeworking (81 Prozent). Aber auch Kundenzufriedenheit ist mit 75 Prozent ein wichtiger Grund, um auf Unified Communications zu setzen. Die Technik als Selbstzweck spielt also keine Rolle, im Gegenteil, für die anwendenden Unternehmen steht der Nutzen von UC-Diensten im Vordergrund, ihr Einsatz muss sich rechnen. Das heißt: Arbeitsprozesse sollen vereinfacht und beschleunigt werden.

Bei der Betrachtung der einzelnen Dienste, die unter dem Begriff Unified Communications zusammengefasst werden, zeigt sich, dass die Umfrageteilnehmer ihnen ganz unterschiedliche Vermarktungschancen beimessen. Eines der Topthemen der kommenden Monate ist demnach für 62 Prozent der ITK-Spezialisten die Fixed Mobile Convergence, also das Zusammenwachsen der Mobil- und Festnetztelefonie. Es folgt das Unified Messaging mit 42 Prozent. Aber auch Contact Center-Lösungen werden nach Ansicht von knapp einem Drittel zu einem wichtigen Thema der kommenden Monate. Interessant ist hier die Unterscheidung nach Unternehmensgröße: Vor allem für große Unternehmen (LE) identifiziert die Studie einen hohen Bedarf an UC, etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) geht davon aus, dass sich Contact Center-Lösungen im Large Enterprise- Segment gut vermarkten lassen werden. Im Bereich der kleinen und mittleren Un - ternehmen (KMU) dagegen sehen gerade 13 Prozent gute Vermarktungschancen. Die meisten Auftragseingänge erwarten 80 Prozent der Befragten aber bei der Migration hin zu IP – auch wenn Voice over IP eher eine Voraussetzung als ein UCDienst ist, zeigt das Ergebnis, dass der Markt für Unternehmenskommunikation in Bewegung ist.

Unternehmen wollen sanft migrieren

Ein interessantes Ergebnis der Befragung ist, dass gerade fünf Prozent der Teilnehmer angeben, dass die Mehrheit ihrer Kunden bereits UC-Lösungen anwendet. UC steckt demnach noch in den Kinderschuhen, wird aber in den kommenden Monaten wichtig werden, denn 65 Prozent der Befragten geben an, dass sie noch für das laufende Jahr eine steigende Nachfrage nach kompletten UC-Paketen oder einzelnen UC-Diensten erwarten.

Wer in neue Technik investiert, setzt nach Ansicht der Studienteilnehmer vor allem auf die Erweiterung bereits bestehender Kommunikationssysteme. Statt eine komplett neue Anlage zu installieren, möchten die Unternehmen also Schritt für Schritt Unified Communications implementieren. Der Markt braucht folglich entsprechende Lösungen, die offen genug sind, diese sanfte Migration zu vollziehen. Im Ergebnis lässt sich also sagen, dass ein großes Potenzial für UC auf dem Markt vorhanden ist.

Der wirtschaftliche Abschwung der vergangenen Jahre erschwerte das Geschäft für die Anbieter, Unternehmen scheuten die Investitionen, die neue Kommunikationsanlagen zunächst einmal mit sich bringen. Doch werden mit UC die Kommunikationsprozesse in Betrieben verschlankt und die laufenden Kosten signifikant verringert. Die Ausgaben für UC machen sich schon nach kurzer Zeit bezahlt und mit der Bereitschaft zur Investition sind die Rahmenbedingungen für UC gegeben. Es gilt nun, den für viele noch schwammigen Begriff Unified Communications mit Inhalt zu füllen und den Markt von den Vorteilen dieser Technik zu überzeugen.


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Mehr zum Thema lesen Sie in dem Beitrag von Verena Buchbinder und Stefan Krimmer, gkk DialogGroup, München

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