„Lad mich!“

Von: Susanne Feldt am 15.02.2011

Applikationen für mobile Endgeräte gelten als Renner – und sind vor allem kostenlos ein Erfolg. Doch ganz ohne Geld geht es nicht, für viele Unternehmen stellt sich daher die Frage nach einer Werbefinanzierung.

Aktuell ist jeder zweite Online-Nutzer in Deutschland auch mobil im Web unterwegs, das zeigen Ergebnisse der aktuellen W3B-Befragung von Fittkau & Maß. Dazu kommen einerseits herkömmliche internetfähige Mobiltelefone, andererseits Smartphones zum Einsatz, die das Surfen durch große, hochauflösende Bildschirme, Touchscreen oder Tastaturen einfacher machen. 58 Prozent der Befragten Mobile-Web- Nutzer besitzen demnach ein solches Smartphone. Absolute Zahlen hierzu veröffentlicht der Branchenverband Bitkom, der wiederum das EITO (European Technology Observatory) zitiert: Er prognostiziert, im Jahr 2011 werde die Marke von mehr als zehn Millionen verkauften Smartphones in Deutschland geknackt. Damit wäre dann jedes dritte verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone.

Die größte Verbreitung hat dabei aktuell laut W3B das I-Phone von Apple: Unter den aktiven Nutzern des mobilen Internets besitzt demnach fast jeder zweite (48 Prozent) ein solches Endgerät. Jeder Fünfte (20 Prozent) setzt auf ein Android-Gerät. Auf Blackberry schwören acht Prozent (siehe Grafik). Die Entscheidung für das I-Phone begründen die Käufer vor allem mit der einfachen Bedienung (67 Prozent) und dem Design (66 Prozent). Die Android-Nutzer dagegen argumentieren vor allem mit der Qualität des Displays (57 Prozent).

Unterhaltung und Nachrichten

Fast alle Smartphone-Besitzer haben Applikationen auf ihrem Gerät, also Anwendungen, die speziell für Smartphones und die Nutzung des mobilen Web entwickelt werden. Teilweise werden diese Applikationen kostenlos, teilweise aber auch kostenpflichtig angeboten. Der Verkauf funktioniert durchaus: 34 Prozent der Nutzer haben laut Befragung zwischen eine bis zehn kostenpflichtige Apps geladen, 17 Prozent sogar mehr als zehn. Der BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft) und die Mobile Marketing Association (MMA) präsentieren ebenfalls aktuelle Zahlen zur App-Nutzung: Hiernach waren umgekehrt bislang 82 Prozent der geladenen Apps kostenlos, davon wiederum ein Viertel werbefinanziert.

Bei den Nutzern stehen dabei vor allem unterhaltsame Applikationen im Vordergrund sowie jene, die unterwegs einen Nutzen bieten oder Nachrichten und Informationen liefern. „Nutz wertige Apps sind der ideale Einstieg in die mobile Internet-Nutzung. Smartphone- Nutzer haben die Auswahl aus tausenden von Apps für jeden erdenklichen Anwendungsfall. Hier ist innerhalb von zwei Jahren ein ganz eigenes Ökosystem entstanden, mit einer nie gesehen Wachstumsdynamik und Vielfalt”, konstatiert Mark Wächter, Vorsitzender der Fachgruppe Mobile im BVDW und Mitglied im Global Board der MMA. Als vielversprechendste Inhalte für Tablet-PCs sehen 79 Prozent Apps mit Nachrichten- und Informationsbezug, nahezu gleichauf (77 Prozent) Apps mit Spiel- und Unterhaltungsschwerpunkt. Dahinter rangieren TV- und Film-Apps.

Parallel dazu steigt die Bedeutung mobiler Endgeräte als Werbeträger, so der BVDW, der im Rahmen einer weiteren Befragung festgestellt hat, dass kostenlose Angebote mit Werbefinanzierung als das vielversprechendste Refinanzierungs-Modell mobiler Apps gelten – mehr als zwei Drittel der Teilnehmer der Befragung gehen hiervon aus. „Seit Jahren stellt die Werbefinanzierung qualitativ hochwertige Inhalte auf Websites wie Nachrichtenportalen und Videoplattformen sicher. Dieses Finanzierungsmodell wird sich auch bei Apps durchsetzen, da es für den Nutzer kostenlos ist und seinen Gewohnheiten entspricht”, ist Paul Mudter, Vorsitzender des Online-Vermarkterkreis im BVDW, überzeugt. „Werbefinanzierte und kostenpflichtige Angebote können sich gerade im mobilen Bereich ergänzen, denn die grundsätzliche Bereitschaft zur Bezahlung von Angeboten und Services ist vorhanden“, ergänzt Thomas Mendrina, Leiter des Mobile Advertising Circle im BVDW. „Allerdings benötigen kostenpflichtige Inhalte, die über mobile oder Tablet-PCs bereitgestellt und distribuiert werden, einen wirklichen Mehrwert in Form von Einzigartigkeit oder Exklusivität. Für Inhalte, die im stationären oder mobilen Internet kostenfrei erhältlich sind, wird die Werbefinanzierung der vielversprechendere Ansatz sein.“ Den Ergebnissen der Befragung zufolge wird die Nachfrage nach mobilen Apps durch Kunden beziehungsweise Unternehmen in den nächsten zwei Jahren entsprechend zunehmen. Im Bereich der Smartphones sehen dies insgesamt 93 Prozent der Befragten, bei Tablet- PCs sind es insgesamt 86 Prozent.

Die Chancen für eine Refinanzierung per Abo-Modell schätzen die Befragten dagegen als deutlich niedriger ein, wobei jedoch zwischen Smartphone- und Tablet-PC Apps differenziert wird: Bei den Tablet-PCs liegt die Einschätzung bei 40 Prozent, bei Smartphones sind es 20 Prozent.

Susanne Feldt


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Mehr zum Thema lesen Sie in dem Beitrag von Verena Buchbinder und Stefan Krimmer, gkk DialogGroup, München

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