„Kodex für Deutschland“

Von: Susanne Feldt am 15.02.2011

Der FST, der in der Vergangenheit vor allem durch seine Arbeit im Bereich Mehrwertdienste von sich reden machte, verfolgt ehrgeizige Pläne: Als Interessenvertretung öffnet er sich jetzt mehr Unternehmen – und der FST-Kodex soll zum „Kodex für Deutschland“ werden.

TeleTalk: Herr Zilles, der FST will sich als Verband neu positionieren und breiter aufstellen. Welche Unternehmen und Themen stehen künftig im Zentrum der Verbandsarbeit?

Zilles: Wir positionieren uns als Interessenverband aller an der Wertschöpfungskette Telekommunikation und Medien beteiligten Unternehmen, hierzu zählen zum Beispiel Payment- und Gaming-Anbieter oder Verlagsunternehmen. Wir weiten damit das Spektrum unserer Aktivitäten auf alle Themen aus, die Unternehmen und Verbrauchern im konvergenten TK- und Medienmarkt begegnen. Da ein wesentlicher Teil der Wertschöpfung auch in vor- und nachgelagerten Branchen generiert wird, finden technische Dienstleister, Call Center, Payment-Provider sowie Zahlungsdienstleister und Inkassounternehmen im FST einen Ansprechpartner, der ihre Interessen vertritt.

Wie grenzt sich der FST dabei gegenüber anderen Verbänden ab – oder ist die Position des FST in gewisser Hinsicht einmalig?

Nun, der FST ist der einzige Verband, der über einen kontinuierlich weiterentwickelten Branchenkodex verfügt. Des Weiteren haben unsere Mitglieder relativ homogene Interessen. Dadurch sind wir in der Lage, diese Interessen prägnant zu formulieren und kurzfristig mit Nachdruck zu vertreten. Und das ist keineswegs selbstverständlich: Viele andere TK-Verbände können sich aufgrund ihrer heterogenen Mitgliederstruktur häufig nicht klar positionieren oder paralysieren sich sogar zum Teil. Ferner sieht die FST-Vereinssatzung einen entschlussstarken Vorstand vor, der sehr schnell im Sinne seiner Mitglieder agieren kann.

Mit der Neuausrichtung sollen auch Unternehmen, die nicht Mitglied des FST sind, den Verhaltenskodex nutzen und weiterentwickeln können. Wie war das bisher geregelt?

Der FST-Verhaltenskodex ist seit 13 Jahren im Markt etabliert und nahezu alle großen TK-Anbieter, egal ob Festnetz- oder Mobilfunkanbieter, verweisen in ihren Geschäftsbedingungen auf ihn. Bislang konnten ihn jedoch nur die FST-Mitglieder unterzeichnen und dadurch auch ihren Beitrag zu einem verbraucherf r eundl i chen und transparenten TKMarkt leisten. Jedoch können oder wollen nicht alle Unternehmen Mitglied bei uns sein – einige große TK-Unternehmen beispielsweise betreiben ausschließlich eigene Lobbyarbeit und wollen sich daher nicht von einem Verband vertreten lassen.

„Es soll Spaß machen, mit dem FSTKodex zu arbeiten. Er ist damit ein unkompliziertes Nachschlagewerk insbesondere für Nicht-Juristen!“ Renatus Zilles Vorstandsvorsitzender des FST e.V.

 

Welche Möglichkeiten sollen Nicht- Mitglieder erhalten?

Nicht-Mitglieder können den Kodex zukünftig im Rahmen eines Lizenzierungsmodells unterzeichnen und an seiner Fortschreibung mitwirken. Nicht-Mitglieder können sich zudem auch in die für die Fortschreibung verantwortliche Verhaltenskodex-Kommission wählen lassen. Das neue mehrstufige Lizenzierungsmodell sieht für Nicht-Mitglieder verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten vor.

Warum ist es so wichtig, Nicht-Mitglieder für den Kodex zu gewinnen?

Der Kodex gewinnt noch mehr an Bedeutung. Unser Ziel ist es also, möglichst viele Un ternehmen als offizielle Unterzeichner zu gewinnen, wir werden ihn zu einem einheitlichen so genannten „Kodex für Deutschland – Telekommunikation und Medien” wei terent wickeln, der eindeutige Guidelines für Unternehmen enthält, die ihn einsetzen. Der Kodex wird dabei für neue Zielgruppen entlang der Wertschöpfungskette geöffnet und durch zusätzliche Tools anwenderfreundlicher gestaltet. Ein weiterer Grund für diesen Schritt ist auch die Finanzierung des Verhaltenskodex: Sie erfolgte bislang ausschließlich durch die FST-Mitglieder und wird nun auf eine breitere Basis gestellt. Umgekehrt bietet der Kodex seinen Nutzern geldwerte Hilfestellungen. Die Fortschreibung des Verhaltenskodex, Markt-Screenings und Verwaltungskosten müssen jedoch finanziert werden.

Wie stark ist das Interesse am Kodex und wie machen Sie Noch-nicht-Mitglieder zu Mitgliedern?

In den letzten Monaten sind allein 17 Unternehmen beigetreten, Interesse ist also definitiv vorhanden! Der FST leistet schließlich wichtige Lobbyarbeit, berät Mitglieder in Fragen der Bewerbung und versorgt sie mit exklusiven Informationen. Dies sind enorm wichtige Leistungen, die insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen anderweitig nicht erreichen können. Hinzu kommen geldwerte Vorteile wie Vergünstigungen für Fachveranstaltungen. Die Mitgliedsbeiträge sind zudem im Vergleich zu anderen TK-Verbänden ausgesprochen niedrig. Und: Es lässt sich generell ein Trend zur freiwilligen Selbstregulierung ausmachen, die ja grundsätzlich schneller, flexibler und handhabbarer als eine gesetzliche Regulierung ist. Der Änderungsentwurf zum Telekommunikationsgesetz sieht eindeutig Selbst- und Koregulierung als Regulierungsmaßnahmen vor. Und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert einen Datenschutzkodex für die Internetbranche.

Welche Bedeutung soll der „Kodex für Deutschland“ im Unternehmensalltag haben?

Der Kodex wird zu einem Handbuch, das Guidelines und praktische Anwenderbeispiele enthält. Wir setzen sehr auf Anwender- und Nutzerfreundlichkeit, es soll Spaß machen, mit dem Kodex zu arbeiten und wir rechnen damit, dass die anwenderfreundliche Gestaltung zu großem Interesse führen wird. Beispielsweise können Producer von Quizshows dem neuen Kodex schnell entnehmen, welche Vorgaben sie einzuhalten haben. Er ist damit insbesondere für Nicht-Juristen ein unkompliziertes Nachschlagewerk.

Sie planen als weitere Neuerung eine Tüv-Verfahrenszertifizierung für die Einhaltung des Kodex – was heißt das konkret?

Die Tüv-Verfahrenszertifizierung bezieht sich zunächst auf die Verfahren des FSTKodex selbst, also auf die Verfahren, die durch den FST hinsichtlich des eigenen Kodex durchgeführt werden. Das wurde von Tekit Consult Bonn jetzt geprüft und testiert. Geplant ist darüber hinaus, dass sich die Unternehmen von Tekit einzeln zertifizieren und damit ihre seriöse Arbeitsweise bescheinigen lassen können. Aber das ist der zweite Schritt. Generell unterstreicht die Tüv-Verfahrenszertifizierung vor allem die Transparenz, Seriosität und Neutralität unserer Arbeit.

Wie steht eigentlich die Bundesnetzagentur als langjähriger und vertrauter Sparringspartner zu Ihren Plänen?

Die Bundesnetzagentur begrüßt die Neupositionierung ausdrücklich. Wir sind da einer Meinung, dass nämlich die Regulierung längst nicht mehr nur den klassischen Mehrwertdienstemarkt betrifft, sondern Auswirkungen auch auf vor- und nachgelagerte Branchen hat. Auch die Öffnung des Verhaltenskodex für Nicht-Mitglieder, die aus unternehmenspolitischen Gründen dem Verband nicht angehören können, wird von der Bnetza begrüßt.

Herr Zilles, ich bedanke mich für das Gespräch!

Das Interview führte
Susanne Feldt


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Mehr zum Thema lesen Sie in dem Beitrag von Verena Buchbinder und Stefan Krimmer, gkk DialogGroup, München

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