BRANCHEN & PRAXIS SELBSTMANAGEMENT To-Think/To-Do: Schaffen Sie einen sicheren Raum und fangen Sie an, wirklich zuzuhö- ren. Unterstützen Sie Teammitglieder, wenn Sie das Gefühl haben, dass diese sich nicht ausdrücken können. Würdigen Sie die Un- terschiede zwischen den einzelnen Mitar- beitenden. Stellen Sie ihre eigene Meinung einmal hinten an, sofern sie nicht einen ernst- haften Einwand (z.B. signifikantes Risiko für die Firma/das Geschäft) haben und lassen Sie Mitarbeitende eigene Erfahrungen machen. •2• Legen Sie Ziele und Pläne fest, die Spontaneität fördern Bis zu einem gewissen Grad wird menschliches Verhalten durch Strukturen gesteuert. Da die Summe der kollektiven menschlichen Verhaltensweisen eine Kultur bildet, ist ein Balanceakt erforderlich, wenn es um die Hierarchie einer selbstverwalteten Teamstruktur geht. Selbst die kleinste Un- gleichheit in den zentralen Prozessen kann die Autonomie einschränken und die Menschen daran hindern, spontan zu sein, wie es dem Unternehmen dienlich wäre. Das Erlernen von Spontaneität – oder zumindest die Unterstützung von mehr Spontaneität am Arbeitsplatz – hängt oft mit Plänen und Zielen zusammen. Pläne, insbesondere langfristige, können sich ändern. Führungskräfte müssen diese Tatsache verstehen und dem Team vermitteln. Das soll nicht heißen, dass eine Organisation ohne Struktur arbeiten sollte, sondern vielmehr mit einer Struktur, die organisch ist, um Kreativität, kritisches Denken und intrinsische Motivation zu fördern. Für Unternehmen geht es meiner Erfahrung nach vor allem darum, bewusste Entscheidungen zu treffen, was WIRKLICH gesamthaft für alle geregelt sein sollte – und was für kleinere Bereiche oder Teams genügt. Die Tendenz in traditionellen Firmen ist: zu viel "global" für alle. Die Lösung ist eher ein Menü anzubieten, basierend auf Prinzipien und einem Ge- samtkonzept, als vorzuschreiben, was gegessen werden sollte. Vergleichbar mit dem Besuch in einem guten Restaurant. To-Think/To-Do: Achten Sie bei der Planung auf Lücken zwischen dem eigentlichen Plan und den möglichen Ergebnissen. Genau hier bieten sich Möglichkeiten für schnelles Lernen. Bei größeren Initiativen schaffen Sie mit kleinen, schrittweisen Aktivitäten die notwendige Flexibilität und Beweglich- keit, um zu scheitern und daraus zu lernen, bevor Mitarbeitende schließlich erfolgreich sind. Gliedern Sie die Dinge auf und geben Sie gerade genug Details an, um die Rich- tung vorzugeben, ohne die Autonomie oder Spontaneität einzuschränken. •3• Sorgen Sie für Transparenz bei der Entscheidungsfindung Unternehmer und Führungskräfte gehen bei der Entschei- dungsfindung nicht immer transparent vor und behandeln Informationen als etwas, das man haben oder wissen muss. Obwohl es Situationen gibt, in denen dies zutrifft, können fehlende Details das Verständnis einschränken und zu weniger effektiven Entscheidungen führen. Mit Ausnahme bestimmter gesetzlicher Datenschutzverpflichtungen sollten Mitarbeitende Zugang zu notwendigen Geschäftsinforma- tionen haben. Auf diese Weise können Unternehmen die kollektive Intelligenz und Zusammenarbeit des Teams nutzen. Es kann auch das "Ego" beseitigen, das sich oft ent- wickelt, wenn Men schen im Rang aufsteigen. Was Ent- scheidungen anbelangt, so können in einer selbstverwalteten Teamstruktur alle Mitarbeitende ihren Beitrag leisten – na- türlich mit ein oder zwei Einschränkungen, beispielsweise wenn es um erhebliche Kosten geht. To-Think/To-Do: Wenn sich eine Entschei- dung auf bestimmte Gruppen auswirkt, er- mutigen Sie die Entscheidungsträger im Team, sich von diesen Gruppen beraten zu lassen. Empfehlungen aus verschiedenen Blickwinkeln können Lösungen ans Licht bringen, die sonst nicht möglich wären, und helfen, blinde Flecken zu vermeiden, die ein Unternehmen gefährden könnten. •4• Widerstehen Sie "vorgetäuschter" Harmonie Nur wenn die Teammitglieder über ihren Selbstwert nach- gedacht haben, werden sie das Vertrauen und die Kraft haben, in einer selbstverwalteten Teamstruktur zu gedeihen. Es ist jedoch nicht leicht, dem Selbstmanagement Priorität einzuräumen. Man muss sich von der Idee der Harmonie lösen und sich auf die Spannungen einlassen, die am Arbeits - platz unweigerlich entstehen. Andernfalls wird die Positivi- tät zu einer Illusion, die zerbricht, wenn die Hinder nisse 44 TeleTalk 3 / 2023 www.teletalk.de