Wissen

Immer Up-To-Date

TeleTalk 01/24

Lesen Sie in der aktuellen Ausgabe:

• KI- und Voice-Expertise vereint
• Stand der techn. Entwicklung
• Ergebnisse des CX-Trendradars
• Effiziente Nutzung von ChatGPT

 

Kostenlos zum Durchklicken:
TeleTalk 01/24 als ePaper (hier klicken)

Und hier können Sie TeleTalk bestellen oder abonnieren!

TeleTalk Special

Special: Collaborative Intelligence

We unite Human and Artifical Power.

 

In Kooperation mit:
Avaya, Bucher+Suter, Calabrio, Five 9, Parloa, Sogedes, USU, Vier, Zoom

 

Kostenlos zum Durchklicken:
TeleTalk Special als PDF (hier klicken)

Und hier können Sie TeleTalk bestellen oder abonnieren!

TeleTalk Archiv

Ältere Ausgaben als ePaper

Opens internal link in current windowHier lesen Sie weitere Ausgaben der TeleTalk.

Heirat in den Sternen – Match-Making in Südindien

Von: Redaktion Teletalk am 30.01.2023

Erkenntnisse: Verena auf Reisen in Trivandrum, Anfang Januar 2023

Sanjay bremst scharf, um einem Hund auszuweichen, der mitten auf der Straße sein halb zerlegtes Huhn verteidigt. Unser Außenspiegel nimmt freundlichen Kontakt mit einer Rikscha neben uns auf. Ich umklammere den Haltegriff und lache, „wieviel Unfälle hattest du mit dem Auto schon?“. „No accident!“, Sanjay grinst und ich frage mich, ob ich den Begriff „Unfall“ hätte genauer definieren sollen. „Me 42 years and never accident!“, er schaut mich triumphierend an, während ich krampfhaft auf die Straße starre, wo frontal ein LKW auf uns zu rauscht, ebenfalls in einem Ausweichmanöver.

Besser das Thema wechseln, denke ich und frage ihn, wie es ihm damit geht, mit 42 noch nicht verheiratet zu sein. Er antwortet ausweichend, betont seine Freiheit, seine Freunde und seinen Job. Von einer Kollegin weiß ich, dass ihm die Mutter im Weg stand, ihr war in den letzten 20 Jahren keine Frau gut genug für ihren Sohn.

Mit Online-Portalen und Agenturen zum perfekten Match

Der Heiratsmarkt in Kerala fasziniert mich. Wie in vielen anderen Teilen Indiens läuft fast alles über Online-Portale und Agenturen. Meist sind es immer noch die Eltern oder ältere Familienmitglieder, die nach potenziellen Partnerinnen und Partnern fahnden. Ein perfektes Match muss hohen Anforderungen genügen: passgenau in Sachen familiärer Hintergrund, gesellschaftlicher Status, finanzielle Verhältnisse, Ausbildung, Religion und Sternbild.

Das Horoskop hat tatsächlich schon manche meiner indischen Freunde jahrelang auf die Wartebank gezwungen, da bei schwierigen Sternkonstellationen nur selten ein Match gefunden wird. Bei Sanjay, so munkelt zumindest sein Umfeld, weist das Horoskop schlechte Vorzeichen für eine Heirat auf, was für die Partei der potenziellen Braut ein großes Risiko impliziert.

Sanjay hat jedenfalls viel Erfahrung und erzählt offenherzig. Wenn seine Eltern ein Match gefunden haben, arrangieren sie ein erstes Treffen im Rahmen einer Familienfeier, danach hat das Paar in den meisten Fällen die Chance, unter vier Augen zu sprechen. Wenn keine der beiden Parteien ein Veto einlegt, wird die Sache oft in wenigen Tage klargemacht. Das erinnert mich an ein Gespräch mit Achu, einem jungen Arzt, der seine Frau Sandra kurz vor Beginn der Pandemie zum ersten Mal getroffen hat. Eine Hochzeit war auf unbestimmte Zeit nicht möglich, was den beiden die Chance gab, ihre Dating-Phase- auszuweiten und sich besser kennenzulernen.

Hohe Zufriedenheitsquote trotz 90% arrangierter Ehen

Während Sanjay souverän durch den dichten Verkehr steuert, recherchiere ich im Netz: Scheinbar sind nach wie vor 90 Prozent aller indischen Ehen arrangiert und drei Viertel der Inderinnen und Inder zwischen 18 und 25 ziehen diesen traditionellen Weg einer „Love Marriage“ vor. Immerhin, die Scheidungsrate ist erstaunlich niedrig, mit nur einer von 100 Ehen zählt sie zu den niedrigsten der Welt, bei vergleichsweise hohen Zufriedenheitswerten. Studien, die in Indien arrangierte mit freien Ehen vergleichen, kommen zu dem Schluss, dass es keine Unterschiede gibt in der Zufriedenheit und Liebesbekundung.

Wie funktioniert das? Wie können zwei Menschen, die sich kaum kennen, so schnell eine so wichtige Entscheidung treffen, die ihre gemeinsame Zukunft beeinflussen wird? Wenn ich nur ein Gespräch gehabt hätte mit meinem heutigen Ehemann, welche Fragen hätte ich ihm gestellt? Nach der Beziehung zu seiner Mutter und seinen Erlebnissen in den ersten beiden Lebensjahren, um frühkindliche Störungen auszuschließen? Was müssen wir voneinander wissen, um darauf ein Leben bauen zu können?

Für Sanjay ist die Sache klar: „It’s all about Sex. If Sex not work, then divorce“ Ich runzle die Stirn und schaue ihn zweifelnd an. Gerade das lässt sich den Regeln folgend hier nicht vorab erkunden, intim wird es doch erst nach den aufwändigen Hochzeitsfeierlichkeiten. Wie sollen also Eltern oder Algorithmen sexuelle Passung filtern? Sanjay zuckt die Schultern und lacht.

Sanjay und Verena im Auto unterwegs

Die Frage lässt mich nicht los und In den nächsten Tagen sammle ich drei verschiedene Perspektiven auf die vermeintlichen Erfolgsfaktoren glücklicher arrangierter Ehen:

1) Auswahl einschränken (Sindhu, Mutter von erwachsenen Kindern)
„Eltern haben viel mehr Erfahrung als junge Erwachsene. Wir vertrauen unseren Eltern, sie sortieren für uns vor und lassen eine überschaubare Auswahl übrig. Wie schwer ist es für euch Westler, in der Vielzahl von Optionen einen guten Mann oder eine gute Frau zu finden? Euch geht es vor allem um das Äußere, das ist doch sowieso vergänglich“.

Stimmt das? Beobachte ich Tinder- und Bumble-Maniacs, vermutlich schon. Online finde ich Studien zum „Attraktivitäts-Matching“, bei dem wir die physische Attraktivität potenzieller Partner stark gewichten, am liebsten solche, deren Attraktivität mit unserer eigenen vergleichbar ist.

Spannend wird es bei der richtigen Auswahlmenge. Chris McKinlay hat bei OKCupid einen datengesteuerten Prozess verwendet, um mathematisch individuell zu beantworten, wie viele potenzielle Partner man vor der Heirat daten sollte. Witzige Vorstellung, wenn Tinder-Lover nur eine fixe Anzahl von Dates zur Verfügung hätten.

2) Nicht lange überlegen (Lipsi, Mutter einer 4-jährigen Tochter)

„Habe ich nachgedacht, ob er der Richtige ist? Nein, das war nur ein Bauchgefühl. Was hätte mir das Nachdenken gebracht?“

Ich denke an Freunde aus Deutschland, die komplexe Excel-Tabellen erstellen, um sich zwischen BMW oder Audi zu entscheiden und finde überraschend viel Bestätigung für Lipsi im Netz. Jede Menge Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Menschen bei komplexen Entscheidungen besser bedient sind, wenn sie nicht zu viel nachdenken. In einer Studie mit IKEA-Möbelkäufern, waren die Kunden, die sich spontan für ein Möbelstück entschlossen haben, einige Wochen später zufriedener. Vermutlich liegt es daran, dass uns intensives Nachdenken über verschiedene Optionen so an die Auswahl bindet, dass wir nach der Entscheidung noch über den Verlust der nichtgewählten Alternativen nachdenken. Passt das IKEA-Beispiel auf den Heiratsmarkt? Weniger Auswahl + schnelle Entscheidung = weniger Alternativszenarien im Kopf.

3) Erwartungen runterschrauben (Jaya, Mutter einer frisch verheirateten Tochter

„Romantische Liebe?“, Jaya kichert, „Nein, der Mann meiner Tochter hat ein gutes Herz und einen sicheren Job. Die beiden stehen jetzt ganz am Anfang und werden sich was aufbauen. Da gibt es auch Krisen und dann sind wir Eltern da, um zu schlichten.“

Ob Eltern systemisch die besten Ratgeber in Beziehungskrisen sind, wage ich zu bezweifeln. Immerhin kann ich verstehen, dass es Paare leichter haben, wenn sie ohne romantisches Beziehungsideal in eine Ehe starten. Jede Erwartung ist eine Falle, der Satz passt auch hier, aber können wir wirklich frei von Erwartungen leben? Pragmatischer finde ich die Selbstbefragung, ob wir ihn oder sie auch dann heiraten wollen, wenn wir uns bewusst machen, dass wir unser Gegenüber nicht ändern werden.

Die meisten Ehen in Deutschland scheitern im 5ten, 6ten und 7ten Jahr, wenn die Verliebtheitsphase und auch die Post-Heirats-Zufriedenheitswelle abgeebbt ist. Hatten sie zu hohe Erwartungen? Trauern sie den verpassten Chancen von Tinder-Alternativen nach? Haben Sie zu viele Excel Tabellen ausgefüllt?

Ich bin nicht in der indischen Kultur aufgewachsen und froh, dass ich trotz all der westlichen Komplexitätsherausforderungen in einer glücklichen Variante der Love Marriage lebe. Und Sanjay? Mit 42 ist er mehr als zehn Jahre zu alt für ein gutes Match. Von Sex scheint er trotzdem etwas zu verstehen, jedenfalls wird er rot als ich ihn danach frage, das müsse aber unter uns bleiben. „You know, maybe I have match on second market”, er spielt auf die zweite Runde an, wenn die sex-frustrierten Trennungskandidaten auf dem Heiratsmarkt wieder neu vermittelt werden.

Die Antwort steht in den Sternen – so viel ist sicher.

Wer Lust auf Verenas neues Buch „Künstliche Intelligenz in der Personalarbeit" hat, schaut hier vorbei: www.verenafink.de

Verena Fink
Geschäftsführende Gesellschafterin

Woodpecker Finch GmbH
Rubensstraße 1 - 3 | 50676 Köln
+49 221 259 474 54
+49 176 666 447 22
verena(at)woodpecker-finch.com
www.woodpecker-finch.com


Info-Board

Aktuelle Beiträge

 

TAS: Effizienz trifft auf Qualität

Caseris: Auf dem Weg zur Service-Exzellenz

Zoom: Kundenservice neu denken

Konecta: Investieren Sie in Service-Exzellenz

sonocom: Der Ton macht die Musik

Microsoft/Nuance: Revolution durch ChatGpt

» Alle Beiträge

Content Guru: Zwischen Remote und Onsite

QNova: Kontaktanalyse ohne Training

USU: Chatbots und ihre Zukunft im Kundenservice

» Alle Beiträge

Five9: Intelligente Virtual Agents (IVAs) markieren Umbruch im Kundenservice

» Alle Beiträge

byon: Digitale Tools für interne Kommunikation

» Alle Beiträge

Junokai: Training 2023 Zukunftsszenario

» Alle Beiträge

Cognigy: 80% Automatisierung im Kundenservice sind realistisch

» Alle Beiträge

Sogedes: Experience meets Efficency

» Alle Beiträge

VIER: Emotion Analytics sagt Aktienmarkt-Reaktion voraus

Initiates file downloadVIER: Agent Guidance: Vom Helden zum Superhelden

New Work – regiocom: Zentraler Wissenszugriff für effziente Kundenservices

Initiates file downloadregiocom: Keiner weiß, was wirklich kommt

dreisechzig ITC: Spagat zwischen IT-Sicherheit und Praktikabilität

Luware: mit Teams das ganze Unternehmen steuern

TAS: Make your Service green

Initiates file downloadTELUS: Service Outsourcing: Wann sollten Sie darüber nachdenken

Initiates file downloadAC Süppmayer: Mit der richtigen Service-Strategie Kosten senken

Initiates file downloadJobsathome: Mitarbeiterbindung - Gratis Kaffee reicht nicht!

Initiates file downloadBucher+Suter: Rundum Service mit dem Webex Contact Center

Initiates file downloadJobs at home: Cost of Vacancy

Initiates file downloadCONSENSE-GRUPPE: 25 Jahre Teamspirit

Initiates file downloadAvaya: Mitarbeiterzufriedenheit: Der Schlüssel zu einer positiven CEX

 

Lesen Sie Opens internal link in current windowhier weitere Fachbeiträge in TeleTalk /Wissen

TeleTalk-Marktführer 1/2024

Der TeleTalk-Marktführer Contact Center & CRM bietet mit zahlreichen Marktübersichten und einem Business-Guide einen aktuellen Überblick über Technologien, Lösungen, Produkte und Dienstleistungen für Customer Care & Servicemanagement.

Die jeweils aktuelle Ausgabe können Sie hier bestellen.

Werfen Sie hier einen Blick in die aktuellen Marktübersichten.
Zum Kennenlernen geht´s hier zum ePaper.

TeleTalk-Marktübersichten

12 Tabellen, hunderte Anbieter

Alle Produkte, Lösungen, Dienste und Dienstanbieter für professionellen Kundenservice im schnellen Überblick.

 

Opens internal link in current windowHier gehts zu den Marktübersichten

© telepublic Verlag 2011 | Alle Rechte vorbehalten.