PSYCHOLOGIE SPECIAL CORONA/COVID-19 Psychologen unterscheiden Angst und Furcht. Furcht ist auf ein konkretes Objekt oder ein Situation gerichtet - Angst ist da schon etwas schwieriger zu fassen - sie ist weniger konkret und hat damit das Potenzial, das Leben des Betroffenen einzuschränken. Neben Depressionen gehören Angststörungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Für Deutschland geht man davon aus, dass jedes Jahr rund zehn Millionen Er- wachsene von einer behandlungsbedürftigen Angsterkrankung betroffen sind - nicht unwahrscheinlich also, dass auch Mitar- beiter Ihres Unternehmens darunter sind und nachvollziehbar, dass diese Menschen sensibler als andere auf die aktuelle Situation reagieren. und in weiten Teilen unbewusst motiviert. Angst können wir weder überzeugen noch weg argumentieren. Wir können aber lernen, mit diesem Gefühl der Unsicherheit umzugehen. Unterstützen können Sie dies durch konkrete Maßnahmen: Ernstnehmen! Nehmen Sie eigenes Unbehagen und Ängste Ihrer Mitarbeiter ernst. Taucht wie beim Corona Virus eine potenziell neue Gefahr auf, er- wachsen fast unwillkürlich Ängste. Aus der Untersuchung der Angst- entwicklung nach Terroranschlägen oder Atomreaktor-Katastrophen wissen wir aber auch: Menschen gewöhnen sich an neue Situationen. Nach 4-6 Wochen lässt die mediale und gesellschaftliche Aufmerk- samkeit unabhängig von weiterhin bestehenden Gefahren nach. Klarheit schaffen Wie aber sieht sie aus, die „aktuelle Situation“? Eine Frage, die wir gegenwärtig von Tag zu Tag, vielleicht sogar von Stunde zu Stunde neu und teilweise anders beantworten müssen. Wo wir auch sind – die Nachrichten um Covid-19 verfolgen uns, überschlagen sich. Hygiene- und Verhaltensregeln werden erläutert, Schulschließungen bekannt gegeben, organisatorische Maßnahmen verkündet, weiter- gehende Schritte in Aussicht gestellt. Internet, Radio, Fernsehen, Gespräche mit Eltern, Freunden, Kollegen und Nachbarn, dazu leere Regale im Supermarkt… – das Virus ist überall. Covid-19 ist omnipräsent, kommt ge- fühlt immer näher – selbst wenn wir wollten, wir können uns dem nicht entziehen. Viele Men- schen, fühlen sich ausgeliefert, macht- und hilflos, schlicht ohnmächtig. In einer Situation des gefühlten Kontrollverlustes reagieren Menschen unterschiedlich. Ziel ihrer Handlungen ist dabei aber immer, die verloren geglaubte Kontrolle zurückzugewinnen bzw. sich der eigenen Handlungsfähigkeit zu versichern. Konkret bedeutet das für viele, sich möglichst häufig auf verschiedenen Wegen über Neuigkeiten zu informieren, Vorräte einzukaufen („Hamsterkäufe“) und Sozialkontakte auf ein Min- destmaß zu reduzieren. „Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen die Dinge so, wie wir sind.“ Anais Nin Legen Sie für Ihr Unternehmen, Ihren Bereich, Ihre Abteilung im Detail fest, wie Sie mit einem Corona(Verdachts-)Fall umgehen wollen. Wen soll der/die Betroffene zuerst kon- taktieren? Auf welchem Weg? Zu welchem Zeit- punkt? Was sind die nächsten Schritte? Wer übernimmt die Koordination? Wann wird z.B. die Quarantäne wieder aufgehoben? Informieren Sie Ihre Bereichs-, Abteilungs-, Teamleiter noch besser: Binden Sie sie ein in die Bestimmung von Abläufen, Informationsketten, Maßnahmen. Legen Sie offen, was Grundlage Ihrer Entschei- dung(en) ist. Woher Sie Ihre Informationen beziehen und warum. Sollte eine Anpassung der Maßnahmen aufgrund von neuen Er- kenntnissen geboten sein, informieren Sie im obigen Sinne auch darüber zügig, klar, eindeutig. Was also tun im Umgang mit der Angst? • Das informieren über Fakten ist richtig • Es ist gut, sachlich und klar zu kommunizieren • Der Appell an die Vernunft, der Hinweis auf Wahrscheinlichkeiten und die Nutzung von Statistiken kann nicht schaden. Nur: Wenn wir wirklich Angst haben, verhallt all das relativ wir- kungslos. Warum? Nun, weil Angst wie eingangs beschrieben eine physiologische Basis hat und zudem ihren psychologischen Ursprung in einem anderen, teilweise unbewussten Bereich unseres Gehirns. Hier zählt das Gefühl; das Wort hat kaum Gewicht. Der Umgang mit der Angst ist individuell sehr unterschiedlich, emotional getrieben Organisation des Krisenfalls Wo möglich, legen Sie in Abstimmung mit den betroffenen Mitar- beitern fest, wer im Falle eines Falles unabkömmlich im Unterneh- men anwesend sein muss und für welche Ihrer Mitarbeiter/innen welche Variante des Homeoffice denk- und umsetzbar ist. Bewährt hat sich die Aufteilung in A und B-Teams – ähnlich Vertretungsre- gelungen. Das A-Team bestünde dann aus Mitarbeitern, auf deren Anwesenheit nicht verzichtet werden kann; im B-Team werden Mit- arbeiter zusammengefasst, die ihre Berufstätigkeit von zu Hause aus wahrnehmen können. Wenn möglich, klären Sie mit Ihrer IT- Abteilung nicht nur die notwendigen technischen Voraussetzungen, sondern planen Sie auch Testläufe ein. Klären Sie, was im Fall tech- nischer Probleme zu tun ist: Wen sollen die Mitarbeiter auf welchem Weg kontaktieren? Was sollen Sie stattdessen tun? www.teletalk.de 03-04/2020 TeleTalk 33