ETHIK UND WERTE MANAGEMENT & INNOVATION Die ethische Prägung und Motivation eines Unter- nehmens werden bestimmt von den handelnden Personen, den Entscheidern und Führungskräften, aber auch den Mitarbeitern, die die ethische Ausrichtung mit Leben füllen müssen. Entscheidend ist: Der „ethische Wille“ wird in der Unternehmensphilosophie und in den unternehmerischen Grundsätzen verankert. Im Idealfall gehört er zur DNA des Unternehmens. So wächst die Wahr scheinlichkeit, dass die Aktivitäten des Unterneh- mens und der handelnden Menschen von der Bereitschaft, ethische Prinzipien etwa in Entscheidungsfindungen zu beachten, durchdrungen sind. Die Verwirklichung ethischer Zielsetzungen entwickelt sich zur unternehmerischen Lebensaufgabe. Nachhaltig denken und handeln Was genau zeichnet ein ethisch motiviertes Unternehmen aus? Klar ist: Auch sie sind den Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft unterworfen, sie müssen ökonomisch erfolg - reich agieren und Umsatz und Gewinn generieren. Aber es gibt verschiedene Wege, die über die ökonomische Ziellinie führen. Dabei ist es vor allem das Prinzip der Nachhaltigkeit, das stilbildend und handlungsanleitend ist. Ein anschauliches Beispiel ist der Outdoor-Ausrüster VAU- DE im baden-württembergischen Tettnang-Obereisenbach am Bodensee. Die Geschäftsführerin des Unternehmens, Antje von Dewitz, blickt über den begrenzenden Tellerrand des täglichen operativen Geschäftes hinaus, sie denkt weit- sichtig und berücksichtigt die Konsequenzen ihrer unterneh - merischen Entscheidungen. In einem jährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht werden die Ausprägung und die prak- tischen Folgen des nachhaltigen Denkens und Handels exakt beschrieben. Es gibt weitere Beispiele für ein nachhaltiges Bewusstsein, etwa die GLS Gemeinschaftsbank in Bochum. Das Finanz- institut sieht sich sozial-ökologischen Grundsätzen verpflich- tet und möchte mehr sein als nur ein Geldhaus. Menschlichkeit als zentraler Wert Ethisch motivierte Unternehmen verfügen über einen Wertekatalog. Werteorientierung ist für sie mehr als nur ein Begriff für Hochglanzbroschüren und Sonntagsreden. Sie wollen helfen, die Welt – pathetisch gesprochen – zu einem besseren und lebenswerteren Ort zu machen. Erfreulich ist: Immer mehr Unternehmen haben den Mut, solche Ziele auch öffentlich zu formulieren und den entsprechenden Kulturwandel einzuleiten. Sie prüfen, welche Umsetzungs- schritte dorthin führen. Ob dies immer gelingt, soll im Einzelfall dahingestellt bleiben. Zunächst zählt der Wille, die ethische Ausrichtung zum Bestandteil der unterneh - merischen Lebensaufgabe zu erheben und die notwendigen Umsetzungsmaßnahmen beherzt in Angriff zu nehmen. Eine essentielle Rolle in den Wertekatalogen der nachhaltig operierenden Unternehmen nimmt der Wert der Mensch- lichkeit ein. Das spiegelt sich in der Art und Weise wider, wie die Menschen miteinander umgehen: Kommunikation auf Augenhöhe, wertschätzende Interaktion, Respekt auch gegenüber anderen Ansichten – das sind die wichtigsten Stichworte. Übrigens: Diese Haltung findet sich dann auch in der Kundenkommunikation wieder. Leistungsträger statt Kostenfaktor Der zentrale Wert der Menschlichkeit führt dazu, dass die Führungskräfte ein ganzheitliches Menschenbild leben: Sie sehen den Mitarbeiter nicht primär als Funktionsträger und Erfüllungsgehilfen bestimmter Zielsetzungen, sondern als Menschen. Dieser ist keine Variable, die primär Ärger und Kosten verursacht, sondern vielmehr ein Leistungsträger. Allerdings: Dies bedeutet nicht, dass die Augen vor Proble- men verschlossen werden. Denn es gibt sie auch im ethisch motivierten Unternehmen – die demotivierten Mitarbeiter, die eher eine freizeitorientierte Schonhaltung leben, und die Führungskräfte, die lieber Meetings organisieren, statt Menschen zu führen und weiterzuentwickeln. Aber man gibt sich dort nicht zufrieden mit diesem Zustand, sondern unternimmt praktische Schritte, um ihn zu verändern. „Warum machen wir das, was wir tun?“ Neben der Nachhaltigkeit stehen in Unternehmen mit ethi- schem Bewusstsein Prinzipien wie Sinnstiftung, Fairness und Potenzialentfaltung im Fokus. Sinnstiftung meint: Das Unternehmen strebt danach, einem höheren Zweck zu die- nen. Die Entscheider und Verantwortungsträger reflektieren und beantworten regelmäßig die Frage: „Warum machen wir das, was wir tun?“ Um die genannten Werte und Prinzipien nicht zu Phrasen und Floskeln verkommen zu lassen, werden Mitarbeiter aufgefordert, sich an der Diskussion zu beteiligen. Die Unternehmensleitung steht in der Pflicht und Verantwor - tung, dies nicht nur einzufordern, sondern zu ermöglichen. Dr. Anke Nienkerke-Springer Ist Inhaberin und Geschäftsführerin von Nienkerke-Springer Con sulting. Die Spezialistin für Kommunikation, Leadership und Changemanagement sagt von sich selbst, dass Sie nie aufgehört habe dazuzulernen und auch nicht beabsichtige damit aufzuhören. Seit über 25 Jahren begleitet sie Menschen im Top-Management-Coaching, in Veränderungsprozessen und bei Neu-Po- sitionierungen. Durch ihre Offenheit, ihre Neugierde aber auch ihren Mut ungewöhnliche Wege zu gehen, hat sie zahlreiche Konzepte entwickelt, die Führungskräften neue Zugangswege zu Leadership-Qualitäten eröffnen. Ge- treu dem Motto, dass nur ein maßgeschneiderter Anzug wirklich gut kleidet, entwickelt sie mit ihren Kunden passgenaue, ganzheitliche Lösungsansätze um nachhaltige und messbare Veränderungen zu erreichen. Übrigens: Im Frühjahr 2020 erscheint ihr Buch „Evolution statt Revolution. Unternehme- rische Zukunft verant wor tungs voll gestalten“. www.nienkerke-springer.de www.teletalk.de 11/2019 TeleTalk 7