MANAGEMENT & INNOVATION GLÜCKSFORSCHUNG • Persönliche Freiheit • Finanzielle Sicherheit Aber wir brauchen auch ein gewisses Maß an persönlicher Freiheit. Wir haben ein Grundbedürfnis nach einem Mindestmaß an Kon- trolle über unsere Umwelt. Wir brauchen das Gefühl, auf unser Leben Einfluss zu haben, das heißt selbstwirksam zu sein. Wir müssen glauben, dass wir erfolgreich sein können, bevor wir fähig sind, erfolgreich zu sein. Das beeinflusst die Beharrlichkeit. Die Überzeugung, auch schwierige Herausforderungen aus eigener Kraft meistern zu können, nennen Liebermann und Long in ihrem Buch „Ein Hormon regiert die Welt: Wie Dopamin unser Verhalten steuert und das Schicksal der Menschheit bestimmt“, „Selbstwirksamkeit“. • Positive Einstellungen trainieren Wichtig sind auch unsere Einstellungen: Sind wir optimistisch? Sind wir dankbar? Daran können wir arbeiten, etwa indem wir ein Dankbarkeitstagebuch führen. Beeinflussbar ist übrigens auch, ob man grundsätzlich eher pessimistisch oder optimistisch „drauf ist“. Die Frage oder besser die Einstellung, ob für uns das „Glas halb voll oder halb leer“ ist, ist nämlich tief im Gehirn, im Limbischen System verankert. Sie beruht weniger auf einer rationalen Abwägung der Argumente, wie sie im Neocortex stattfindet. Je nach pessimis- tischer oder optimistischer Vor-Einstellung im Limbischen System, kommt es bei ein und derselben Aufgabenstellungen zu unterschied- lichen Verhaltensweisen. Bei einer eher optimistischen Sichtweise ist das Belohnungssystem stärker aktiv, bei einer eher pessimistischen Sichtweise das Angstzentrum. Während man im ersten Fall die Auf- gabe angeht, versucht man im zweiten Fall der Herausforderungen aus dem Weg zu gehen. Mit speziellen Übungen kann das Gehirn aber trainiert werden, automatisch eher auf positive Eindrücke zu achten, was zu einer eher zuversichtlichen Grundhaltung führt. Ob für uns das Glas halb voll oder halb leer ist, ist tief im Limbischen System verankert.” Karl-Heinz Ruckriegel Schließlich brauchen wir genug Einkommen und finanzielle Sicherheit, damit unsere materiellen Grundbedürfnisse gedeckt werden können und eine soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich ist. Wichtig ist dabei auch ein gutes Angebot an staatlichen Leistungen zur Daseinsvorsorge. Interessant sind in diesem Zusammenhang Ergebnisse aus der Glücksforschung die zeigen, dass sich das subjektive Wohlbefinden kaum mehr erhöht, nachdem die materiellen Grundbedürfnisse wie Geld, Einkommen und Wohlstand befriedigt sind. Es deutet dabei Einiges darauf hin, dass wir diese Situation in (West-) Deutschland im Großen und Ganzen schon in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts erreicht haben. Warum ist das so? Zum einen passen sich die materiellen Ansprüche und Ziele an die tatsächliche Entwicklung an. Mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche, so dass daraus keine größere Zufriedenheit erwächst, das ergibt dann die hedonis- tische Tretmühle. Zum anderen ist weniger das absolute Einkommen, sondern viel - mehr das relative Einkommen, das heißt das eigene Einkommen im Vergleich zu anderen, für den Einzelnen entscheidend. Bei einem generellen Einkommensanstieg für alle, kommt es einfach zu einer Erhöhung der sozialen Norm, so dass die Zufriedenheit nicht steigt, weil alle mehr haben. Bei unterschiedlichen Einkommensverände- rungen ist die Summe der Rangplätze in einer Volkswirtschaft fix, steigt einer auf, muss ein anderer absteigen – ein Nullsummenspiel. Sind die materiellen Grundbedürfnisse also gedeckt und ist eine so ziale Teilhabe möglich, so ist eine zu starke Fokussierung auf das Materielle – aus rein ökonomischer Sicht einer effizienten Zeitver- wendung - nicht mehr zweckdienlich für ein glückliches Leben. „Zeit ist eine kostbare Ressource“, schreibt Ashley Williams im Har- vard Business Manager 8/2019, und führt weiter aus,“ wenn wir prüfen, welchen Wert wir ihr beimessen, können wir eine noch viel grundlegendere Frage beantworten: Wie können wir das individuelle und gesellschaftliche Wohlergehen maximieren und den Stressfallen des Alltags entkommen?“ • Was kann jeder selbst tun, um glücklich(er) zu werden? Wir wissen aus Psychologie und Neurobiologie, dass wir ne- gative Gefühle viel stärker wahrnehmen, als positive. Deshalb ist es wichtig, die positiven Gefühle zu stärken. Ein gutes Mittel hierfür ist, dass man zwei bis dreimal die Woche für zwei oder drei Monate abends ein Dankbarkeitstagebuch schreibt, in das man drei Geschehnisse des Tages einträgt, für die man dankbar ist. Dadurch ändert sich nach und nach die Sichtweise auf die Realität: Sie wird viel positiver und realistischer wahrgenommen. Außerdem sollte man darauf achten, sehr sorgsam mit negativen Gefühlen umzugehen. Sich aufzuregen, weil man im Stau steht, macht keinen Sinn. Es geht also auch um einen bedachten Umgang mit unseren negativen Gefühlen. Hier ist Emotionsmanagement gefragt. 8 TeleTalk 10/2019 www.teletalk.de