FUTURE IS NOW THEMEN-SPECIAL Jahresbeginn und führte schon damals aus: „Technisch wird die Erweiterung unserer KI- Lösung um den Bereich Spracherkennung einen weiteren Meilenstein zur Automatisie- rung im Contact Center darstellen“. Mit Sprachdialogsystemen können Unternehmen ihren Kunden ermöglichen, Routineaufgaben per natürlicher Sprache, sei sie gesprochen oder geschrieben, einfach selbst zu erledigen. Die Vorteile: Bots können beispielsweise Auftragsbestätigungen oder -abfragen un- kompliziert, und ohne dass der Einsatz eines Kundenberaters notwendig wird, automa- tisiert bearbeitet werden. Chatbot können – eingebettet in eine KI-Strategie – die Be- stellnummer nehmen, diese mit dem Lie- ferstatus vergleichen und dem Kunden innerhalb von Sekunden eine Antwort geben – schneller als jeder Support am Te- lefon. „Antwortprozesse können deutlich beschleunigt, schrittweise automatisiert und Kosten signifikant reduziert werden“, erläu- tert Thomes Dreikauss, Geschäftsführer von Sematell. Besonders letzterer Punkt animiert viele Unternehmen, den Einsatz von Chat- bot & Co zu überdenken, denn schon eine teilweise Entlastung der von Agents betreu- ten Hotlines für Standardanfragen spart ba- res Geld. Weiterer Vorteil: Kunden bleibt es zudem erspart für simple Statusabfragen mi- nutenlang in Warteschleifen auszuharren. Die schnelle Beantwortung von Kundenfra- gen trage auch dazu bei, ein zufriedenstel- lendes Kundenerlebnis zu gewährleisten und die Nutzer auf der eigenen Website zu hal- ten. Denn nach einer zufriedenstellenden Beantwortung der Kundenanfrage, erhöhe sich die Nutzung des restlichen Angebots um 30 Prozent, und glückliche Chatbot- Nutzer kehrten doppelt so häufig auf die Anbieterseiten zurück als diejenigen, die das Serviceangebot nicht nutzten „Insbesondere in der Contact Center-Branche haben wir in letzter Zeit eine Flut von Akti- vitäten rund um Chatbots, intelligente IVRs und virtuelle Agenten gesehen”, erklärt Stefan Jung, Regional Sales Manager bei Aspect Soft- ware. Patrick Tapp, Präsident des Deutscher Dialogmarketing Verband e.V., zum Themen- feld des Einsatzes von KI und Automatisierung im Unternehmen, zeigt die Richtung auf: „Es geht nicht mehr nur um die reaktive Beant- wortung von Kundenfragen, sondern vielmehr um die intelligente Übersetzung der Kunden- daten in einen aktiven Dialog.“ In dieselbe Kerbe schlägt auch Sven Kolb, Ge- schäftsführer von unymira : „Es ist einem Kun- denservice kaum möglich gleichzeitig alle Hype-Themen anzubieten, zumal oftmals auch nicht sicher ist, welcher Trend sich durchsetzt und welcher schnell wieder verschwindet. Mittlerweile lässt sich aber sagen, dass Smart Assistants gekommen sind um zu blieben und auch für den Kundenservice zahlreiche Vorteile mitbringen. Ähnliches gilt für Social Service.“ „Chatbots sind ein Marketing-, kein Tech- Thema!“ bringt es Jendrik Höft auf den Punkt und erläutert: „Bei Messaging geht es darum, Vertrauen aufzubauen. Menschen möchten Produkte und das Besondere an ihnen ausprobieren und verstehen. Marken sollten deswegen 1-zu-1-Konversationen mit ihren Kunden ermöglichen“, so der Mit- gründer des Berliner Startups Spectrm. das ein Software-as-a-Service-Geschäfts modell mittels eines Chatbots anbietet, der unter anderem auch bei Facebook eingesetzt wird. Einen Schritt weiter Einer der häufigsten Fehler, den Unternehmen bei der Implementierung von Chatbots ma- chen ist nach Ansicht von Experten, durch bloße Annahmen zu entscheiden, wie sie ge- nutzt werden sollen. Ein sinnvoller Weg, den Einsatz von Chatbots zu planen, sei das so- genannte Customer Journey Mapping. Dabei werden sämtliche Wege, die Kunden mit ihren Anliegen im Contact Center nehmen können und alle Touchpoints, mit denen sie dabei in Berührung kommen, abgebildet. Das ermög- liche den Führungskräften, die besten Ein- satzorte für Chatbots zu finden und ihr Zu- sammenspiel mit den menschlichen Mitar- beitern übergangslos zu skizzieren. Wichtig sei allerdings, dass in dieses Mapping nicht nur die Perspektiven der Führungskräfte ein- fließen, sondern auch die der Mitarbeiter und idealerweise auch die der Kunden. Wie aktuelle Erhebungen zeigen, herrsche aber genau beim strategisch notwendigen Ma- nagement von Kundenerfahrungen eine große Diskrepanz: Zwar seien sich die Unternehmen der großen Relevanz des Themas bewusst, allerdings zögerten sie noch bei der Umset- zung konkreter Maßnahmen, so die Ergeb- nisse einer Umfrage der NTT Group-Tochter Dimension Data. „Wollen Unternehmen ihre Customer Journey verbessern, greifen sie oft- mals auf digitale Technologien zurück – gehen dabei jedoch wenig strategisch vor“ meint El- len Kuder, Digital Business Solutions Go-to Market Director Europe bei Dimension Data. Das führe dazu, dass viele getätigte Investi- tionen nicht die erhoffte Wirkung zeigten: Ein Drittel der zur Studie Befrag ten habe an- gegeben, dass implementier te Lösungen, wie Chatbots und AI nicht die Funktionalitäten aufweisen würden, die die Kunden bräuchten. „Solche Fälle sind jedoch meist weniger das Resultat des Versagens der Technologien, son- dern lassen sich oft auf mangelnde Planung zurückführen“, so Ellen Kuder. Digitale Tech- nologien seien effektive Werkzeuge, allerdings nur, wenn ihr Einsatz gut durchdacht sei. Für eine nachhaltige Verbesserung der Customer Journey und damit der Customer Experience gelte es nicht nur Technologie, sondern viel- mehr, den Kunden und seine Bedürfnisse in den Fokus zu rücken. Kuder: „Unternehmen müssen also anfangen die gesamte Customer Journey anzuschauen und nicht bloß an ein- zelnen Stellschrauben nachzubessern.“ Der Hype um Sprachdialogsysteme im Kun- denservice vor 15 Jahren ebbte aus zwei Grün- den recht schnell ab: Einerseits waren Spra- cherkenner nicht weit genug entwickelt, ein natürlichsprachlicher Dialog mit einem Sprachautomaten – womöglich noch mit Kunden, die einen Dialekt sprachen, funk- tionierte meistens nicht. Dialoge wurden von Kunden häufig abgebrochen – und somit die Lösung insgesamt abgelehnt. Der zweite Grund war der Mangel an konkreten Ein- satzszenarien im Kundenservice – viele Pro- jekte kamen nicht über ein Projektstadium hinaus. Heute ist die Situation gänzlich an- ders: Sprachdialoge mit Automaten oder „Ma- schinen“ sind durch die Nutzung von Smart- phones und Diensten von Amazon und Goo- gle längst bei Kunden akzeptiert. Und deshalb werden Sie nun überall eingefordert, ob beim Banking, der Hotelbuchung oder im Kun- denservice per WhatsApp. An Unternehmen liegt nun, schleunigst passende und komfor- table Anwendungen für ihre Kunden bereit- zustellen. Kai-Werner Fajga www.teletalk.de 06/2019 TeleTalk 13