SERVICE-CHECK ENERGIEVERSORGER BRANCHEN & PRAXIS Zusatzthemen wie Wallbox und E-Auto aber offen lassen. Rang drei geht an die Stadtwerke Mainz (4,4) mit konkreten Hinweisen zu Bonus, Wallbox und den Voraussetzungen für die Wärmepumpe, inhaltlich ein Spitzenplatz, die sehr unsaubere Formatierung der Mail drückte den Ton-Wert jedoch auf 3. Im starken Mittelfeld folgen mit jeweils 4,2 die Stadtwerke München (vorbildliche Anmelde-Checkliste inklusive Foto-Option für den Zählerstand), die Stadtwerke Bochum, SWB und Naturstrom. anbieten. Auch die Reaktionszeiten lagen mit einem Median von rund sechs Tagen gut anderthalbmal so hoch. Mainova antwortete in unter einer Stunde, die Stadtwerke München brauchten 22 Tage. Besonders auffällig sind Anbieter, die auf beiden Kanälen unterschiedlich gut aufgestellt sind: Die Stadtwerke Düsseldorf, per Mail noch Zweitbeste im Test, ließen ihr eigenes Webformular unbeantwortet, ebenso SWB, Lichtblick, Lechwerke, die Stadtwerke Münster und die Stadtwerke Gießen. Auf der negativen Seite fielen ausgerechnet die schnellsten Antworter auf: Mainova (Reaktion in unter einer Stunde, Bewertung 2,8) reduziert die Antwort höflich auf „bitte rufen Sie uns an“, EnBW (2,4) verweist standardmäßig auf Website und Telefon, Lichtblick (2,8) liefert professionell formuliertes Marketing statt einer echten Klärung. Schluss- lichter sind die Stadtwerke Duisburg und Lekker Energie mit jeweils 2,2 von 5 Punkten: Standardverweis statt Be- ratung, ohne erkennbare Auseinandersetzung mit dem konkreten Anliegen. Schnell im Postfach heißt in diesem Test ausdrücklich nicht gut im Inhalt. Kontaktkanal > Webseite Beim Kontaktformular für Neukundenanfragen zeigten sich gleich mehrere Hürden, an denen der Beratungsdialog schei- tert, bevor er überhaupt beginnt. Bei RheinEnergie und Lekker Energie gibt es schlicht kein Kontaktformular für Neukunden. Bei den Stadtwerken Dresden (DREWAG) und bei Gelsenwasser scheiterte das Absenden technisch mit einer Fehlermeldung. Sieben Anbieter erzwangen die Eingabe einer Telefonnummer, obwohl wir ausdrücklich um eine schriftliche Beratung gebeten hatten, darunter die Energieversorgung Mittelrhein, N-Ergie (die zusätzlich die berufliche „Funktion“ verlangte), die Stadtwerke Duis- burg, Osnabrück, Ratingen und Troisdorf. Enercity verlangte sogar eine Kundennummer, obwohl im Auswahlfeld „kein Kunde“ angeklickt war. Der Beratungskanal ist damit für Neukunden de facto geschlossen. Einen Live-Chat für Neukunden bietet praktisch keiner der getesteten Versorger an, ein Kanal, den Telekommunikation oder Banking längst standardmäßig fahren. Vorbildlich gelöst haben den Webkanal die Stadtwerke Flensburg (5,0), die Stadtwerke Mainz (4,8) und Badenova (4,6): vollständige Antworten mit Daten-Checkliste, klarer Trennung von Neueinzug und Lieferantenwechsel, Tarif- und Preisgarantie-Details (bei Mainz bis 31.12.2026), dynamischer Tarif inklusive iMSys-Voraussetzung sowie Wallbox- und Wärmepumpentarif, alles in einer einzigen Mail. Mit jeweils 4,4 folgen die Stadtwerke Gütersloh, die Stadtwerke Bochum und Maingau Energie. Echte Baustel- len: EnBW lieferte nach 13 Tagen eine reine Entschuldigung statt Inhalt (2,4), die Stadtwerke München brauchten drei Wochen für einen Telefon-Verweis (2,6), und Mainova, Naturstrom sowie die Stadtwerke Dachau, Dinslaken und Neuruppin verschoben die gesamte Beratung schriftlich auf einen Anruf, freundlich organisiert, aber ohne eine ein- zige beantwortete Frage. Kuriosum am Rande: Wer das Webformular der Stadtwerke Köln nutzte, bekam die Ant- wort von der RheinEnergie, inhaltlich gut (4,0), kommu- nikativ unsauber gelöst. Kontaktkanal > Brief Der Brief ist der Kanal, über den 2015 noch 16 von 25 Versorgern innerhalb von zwei Wochen antworteten. 2026 haben von 44 angeschriebenen Anbietern 21 überhaupt rea- giert, 23 Briefe blieben bis heute unbeantwortet, darunter die an Vattenfall, EnBW, Mainova, Lichtblick und die Stadt- werke Düsseldorf, Bochum und Köln. Innerhalb von 14 Tagen kamen 13 Antworten, der Median der Reaktionszeit 39 Formulare gingen am Ende raus. Eine Eingangsbestätigung per Mail erhielten unsere Tester nur in 22 Fällen, eine in- haltliche Antwort in 25, also in knapp zwei von drei Fällen. Der Vergleich mit dem E-Mail-Kanal ist unangenehm deut- lich: dort drei von vier Antworten, hier zwei von drei, und das bei einem Kanal, den die Anbieter selbst als Wunschweg AUSZ UG AUS DE M TE STPROTOKOLL: BRI EF . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Energieversorgung Mittelrhein: Nach 17 Tagen ein freundlich formulierter, sauber ge- stalteter Brief, der erklärt, dass man in Hamburg leider nicht helfen kann. Gleichzeitig ist im Betreff eine Kundennummer vergeben, für eine Kundin, die nie Kundin werden kann. Ton und Form stimmen, der Prozess dahinter offensichtlich nicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stadtwerke Langen: 18 Tage Wartezeit für eine Kurzmitteilung mit einem einzigen Satz, in dem sich Schreibfehler finden. Im Umschlag zusätzlich eine leere Seite. Per Webformular lieferten die Stadtwerke Langen später ortsabhängige Preise mit Preis- garantie, auch dort allerdings in formal sehr schwacher Qualität. www.teletalk.de 6 / 2026 TeleTalk 39