Selbst ist die Branche

von Susanne Feldt
Glückwunsch, kann man da nur sagen! Der Verein FST, Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste, feiert seinen zehnten Geburtstag und hat allen Grund, sich zu freuen. Schließlich zeigt der FST, dass eine brancheninterne Selbstkontrolle keine ganz sinnlose Sache ist – und das in einem Geschäft, das durch sein buntes Erotikhotline-Angebot im Generalverdacht der Schmuddeligkeit steht.
50 Unternehmen unterstützen diese Selbstkontrolle, deren nüchternes Ziel es ist, ein gewisses Maß an Anständigkeit im Markt der unanständigen Angebote zu sichern. Getrieben wird die Arbeit von der Einsicht, dass unseriöse Dienste zwar kurzfristig viel Geld bringen, einer ganzen Branche langfristig jedoch keine Perspektiven bieten. Doch genau um langfristige Perspektiven geht es. Wie also wird das Geschäft in den nächsten zehn Jahren weitergehen? Um Antworten zu finden, aber auch um zu feiern, trommelte der FST letzte Woche Verteter aus Politik, Wirtschaft und Medien in Berlin zusammen und kam zu folgender Einschätzung: Der derzeitige Jahresumsatz von 2,5 bis 3 Milliarden Euro im Mehrwertdienstemarkt lässt sich noch trefflich nach oben aufstocken, integrierte Dienste wie IPTV oder IP-Telefonie bescheren den Anbietern interessante Möglichkeiten für die Zukunft.
Neue Dienste bringen auch neue Probleme, und damit neue Aufgaben für den FST, dem es an Beschäftigung auch weiter nicht mangeln wird. Schon gar nicht, da das Konzept Selbstregulierung inzwischen in Brüssel angekommen ist und die EU-Kommission Selbst- und Co-Regulierungen als legitime Mittel bei der Umsetzung neuer Richtlinien anerkennt. Die deutsche Selbstregulierung, ein Erfolgsmodell für Europa? Die Bundesnetzagentur würde sich angeblich freuen, wenn sie in zehn Jahren für den Mehrwertdienstemarkt nicht mehr gebraucht würde und freiwillige Standards das Geschäft regulieren – das zumindest behauptete Vizepräsidentin Iris Henseler-Unger auf der hochkarätig besetzten FST-Geburtstagsfeier.
Soviel Euphorie ist dem Ereignis zwar angemessen, aber natürlich übertrieben. Das weiß auch der FST, der stets darauf verweist, dass er unbequeme Gesetze weder verhindern, noch schwarze Schafe aus dem Markt drängen kann. Die Bordmittel sind und bleiben begrenzt, gerade harte Sanktionsmöglichkeiten werden schmerzlich vermisst. Folglich wird es ohne Regulierung und neue Gesetze auch in Zukunft nicht gehen. Doch eine engagierte und vor allem etablierte Selbstkontrolle kann als Mittler zwischen den Interessensgruppen dienen, den Konktakt mit Gesetzgeber und Gerichten pflegen, fachkundig Probleme schon im Vorfeld benennen. Sie kann verbraucherschützende Regeln entwickeln, die noch Raum für Umsatz lassen und wenig durchdachte Schnellschüsse als solche enttarnen. Sie kann zeigen, wo bei einer Branche die Daumen für die passenden Schrauben zu finden sind, und all dies aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Die Rolle des FST ist klein, aber wichtig, und manch anderer Wirtschaftszweig wäre froh, ein solches Instrument zu besitzen. Mit der Bemerkung, die Call Center-Branche werde den Wert freiwilliger Regelungen noch zu schätzen lernen, erzielte Achim Wehrman von T-Com jedenfalls den Lacher des Abends. Ein erfreuliches Fazit für zehn Jahre Arbeit.
PS: Eine einzige Frage blieb in Berlin trotz heftiger Diskussion unbeantwortet: Heißt es nun eigentlich Der, Die oder Das FST?
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