So klingelts richtig
Servicenummern gibt es viele -- aber welche ist richtig für den Kundenkontakt? TeleTalk gibt Tipps für den Einsatz.
0800: Kostenlos aber nicht umsonst

Pluspunkt: Die für Anrufer kostenlose Servicenummer 0800 gilt als besonders kundenfreundlich und ist damit das ideale Instrument für Unternehmen, die Anrufe und Rückmeldungen über ihre Produkte und Dienstleistungen generieren wollen. Insbesondere Homeshoppingsender im Fernsehen haben den Wert der kostenlosen Bestellhotline erkannt und machen den Einkauf für die Kunden doppelt attraktiv. TK-Unternehmen wie Vodafone oder T-Home haben sich ebenfalls für 0800 entschieden, um mehr Kundenfreundlichkeit zu signalisieren. Da die Rufnummer kostenlos ist, muss auch keine Preisansage erfolgen. Ein Hinweis in der Werbung als Vermarktungsargument empfiehlt sich aber dennoch, denn längst nicht allen Verbrauchern ist die Gebührenfreiheit bei 0800 bekannt.
Minuspunkt: Das Unternehmen zahlt, und zwar die kompletten Verbindungskosten. Diese sind besonders aus den Mobilfunknetzen sehr hoch, denn was im Festnetz kostenlos ist, ist dies nicht zwingend auch vom Handy aus. Die Mobilfunkunternehmen sind schließlich bislang nicht reguliert. Viele Unternehmen haben sich wegen der hohen Kosten entschieden, ihre 0800 für Anrufe aus dem Mobilfunk nicht erreichbar zu machen und stattdessen eine kostenpflichtige Nummer anzubieten. So steht beispielsweise das kostenlose Sprachportal der Deutschen Bahn für Festnetznutzer unter 0800 zur Verfügung, Handykunden hören dort eine Ansage und wählen anschließend 0180. Ein altbekanntes Problem der 0800 sind so genannte Junk Caller, Jux Anrufer, etwa Kinder, die durch ihre Anrufe Kosten erzeugen und Agents von der Arbeit abhalten. Servicenummernanbieter halten jedoch Instrumente wie Blacklists bereit, mit denen Anschlüsse, über die Spaßanrufe getätigt werden, zeitlich begrenzt zu sperren.
Der Meinungsmacher 0137/ 01381

Pluspunkt: Die Rufnummer kann vor allem eines: In sehr kurzer Zeit jede Menge kurzer Calls annehmen und registrieren. Dies ist die eigentliche Stärke der so genannten MABEZ-Dienste (Massenverkehr zu bestimmten Zielen), die bevorzugt von Medienunternehmen eingesetzt wird. Die Menge der möglichen zu verarbeitenden Calls (Durchsatzrate) ist beim T-Vote Call der Deutschen Telekom am höchsten, doch für die meisten Abstimmungen, Meinungsumfragen und Gewinnspiele eignen sich die Lösungen andere Anbieter ebenso gut. 0137-Rufnummer erlebten bis vor zwei Jahren einen wahren Boom, Mitmachangebote in Rundfunk und Fernsehen explodierten zahlenmäßig und setzten auf einen festen Nutzerkreis, der regelmäßig und x-fach mitwählte.
Minuspunkt: Was hoch aufsteigt, kommt wieder herunter. Bei den Mitmachdiensten hat sich inhaltlich wenig getan, die Angebote bleiben bislang innerhalb fester und eintöniger Formen, was zu einer gewissen Ermüdung in Nutzerkreisen geführt hat. Auch waren Angebote, bei denen, gesetzlich erlaubt, allein der Mitmachversuch bereits abgerechnet wurde, dem Vertrauen vieler Nutzer nicht zuträglich, so dass der Dienst stagniert. Wird eine 0137 eingesetzt, muss im Anschluss an die Verbindung die Preisansage zu den Kosten erfolgen. Die Bundesnetzagentur verfolgt Pläne, wonach 0137 langfristig zu 0500 werden soll. Näheres ist jedoch bislang nicht bekannt.
Der Alleskönner 0900

Pluspunkt: Die Nummer ist so flexibel wie keine andere und macht Schluss mit festen Tarifen. Für Unternehmen, die ihren Kunden angemessen bepreisten Service am Telefon bieten möchten, ist die 0900 eigentlich eine gute Wahl: Sie können kundenindividuelle Ansagen schalten und neue Geschäftsideen umsetzen. Einzelne Abschnitte eines Gesprächs lassen sich unterschiedlich bepreisen, Warteschleifen können kostenlos bleiben. 0900 ist fest reguliert und selbst aus Sicht der Verbraucherschützer die sicherste Gasse überhaupt: Verbindungen dürfen maximal drei Euro die Minute oder einmalig zehn Euro kosten, weswegen sie sich gut eignet, wirklich hochwertige Angebote zu bepreisen, etwa technischen Support bei Hard- oder Softwareproblemen. Die Gasseneinteilung ermöglicht die Einteilung und Erkennung von Inhalten, so steht 0900-1 für Infodienste, 0900-3 für Unterhaltung, 0900-5 für Entertainment/ Erotik und 0900-9 für Dialer
Minuspunkt: 0900 ist gedanklich von 0190 nicht weit entfernt, und Verbraucher haben ein langes Gedächtnis. Trotz aller Vorzüge, enger regulatorischer Grenzen und klarer Trennung der Inhalte hat sich 0900 daher im normalen Kundenkontakt nicht so durchgesetzt, wie die Anbieter dies gehofft hatten. Viele Verbraucher hätten zudem lieber eine Einteilung nach Preisen, nicht nach Inhalten bevorzugt. Probleme haben Unternehmen auch dadurch, dass Verbraucher und Firmen vor Jahren ihren Telefonanschluss für Anrufe auf 0190 sperren ließen -- diese Sperren gingen auf 0900 über, so dass solche Dienste nicht von überall aus erreichbar sind.
0900 wird daher vor allem stark im Entertainmentbereich genutzt --gleichzeitig sind die Zahlungsausfälle hier aber auch am höchsten. Hinter vorgehaltener Hand nennen Branchenteilnehmer einen Fraudanteil von über 70 Prozent, sofern der Anbieter keine Lösung zur Fraud-Prevention nutzt. Damit werden zahlungsunwillige oder -unfähige Anrufer anhand der Rufnummer erkannt und aus der Leitung gehalten.
Vor Beginn der Kostenpflicht ist bei 0900 der Preis anzusagen, das gilt auch für jeden Wechsel der Kosten während einer Verbindung. Zudem ist der Preis in der Werbung für den Dienst anzugeben, und zwar gut lesbar. Nach 60 Minuten muss eine Verbindung netzseitig unterbrochen werden ("Zwangstrennung").
Die Vielgenutzte: 0180
Pluspunkt: Ruf an, und wir teilen uns die Kosten! So lautete dereinst der Schlachtruf der Unternehmen bei 0180 Shared Cost. Die Rufnummer ersetzte insbesondere bei Versandhändler schnell die bis dahin übliche Bestellpostkarte und entwickelte sich von dort aus zur Kundenhotline schlechthin. Die Tarife und Teilungsverhältnisse der Kosten unterscheiden sich je nach fünfter Ziffer, wobei 01805 die für Anrufer teuerste Variante ist. Sie wird nach Angaben der Bnetza deswegen am häufigsten von Unternehmen genutzt. In Zukunft soll ein frei tarifierbare Gasse ohne feste Kosten eingeführt werden.
Minuspunkt: Dass Nutzer, die 0180 per Handy wählen, einen erheblichen Tarifaufschlag an die Mobilfunker zahlen müssen und manche Warteschleife nicht gerade kurz ist, hat 0180 in der letzten Zeit sehr geschadet und die Diskussion um mangelnde Kundenfreundlichkeit bei Telefonhotlines befeuert. Vermutlich ab Sommer gelten für 0180 daher neue Regeln: Zusätzlich zur Pflichtangabe der Festnetzkosten in der Werbung müssen dann auch die Mobilfunkkosten angegeben werden -- die stehen allerdings gar nicht fest, lediglich ein Höchstpreis von 28 Cent die Minute beziehungsweise 40 Cent je Anruf wurden eingeführt. Neu beantragt werden müssen die 0180-Rufnummern allerdings nicht, Unternehmen können ihre alten, eingeführten 0180-Rufnummern also weiter nutzen.
FST kritisiert Mobile Marketing-Kodex
Als einer der ersten hat der FST, Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste, auf den zur Diskussion gestellten Mobile Marketing-Verhaltenskodex von 12 Snap reagiert (siehe TeleTalk 8/2008, Seite 40). 12 Snap sieht unter anderem auch Mehrwertdiensteanbieter und Mobilfunker als Zielgruppe seines Kodices. Der FST, der seinerseits seit über zehn Jahren einen freiwilligen Kodex für die Mehrwertdienstebranche führt, begrüßt zwar grundsätzlich den Schritt von 12 Snap, kritisiert jedoch, dass die Regeln zu vage seien. Zudem werde die Existenz existierender und etablierter Kodices, wie der des FST, ignoriert. Dieser enthalte bereits Regeln für das Direktmarketing. „Die freiwillige Einhaltung von Verhaltensregeln ist durchaus das richtige Mittel, um einen auch in Zukunft seriösen Markt zu gewährleisten“, so FST-Geschäftsführerin Claudia Kalenberg. „Wichtig ist aber, nicht wieder bei Null anzufangen.“ Ein weiterer Verhaltenskodex sei daher keine Lösung, stattdessen wäre es besser, wenn sich viele Unternehmen auf einen Kodex einigen und diesen befolgen könnten. Neben dem FST-Kodex existieren weitere freiwillige Verhaltensvorschriften etwa aus der Mobilfunkbranche, die ihrerseits den Versand von Premium-SMS regeln, über gesetzliche Regeln aber nicht wesentlich hinausgehen.
Susanne Feldt
0900-Spam: Gericht bestätigt Abschaltung
Das Verwaltungsgericht Köln hat ein Verbot der Bundesnetzagentur vorläufig bestätigt, wodurch einem Unternehmen der Missbrauch einer 0900-Rufnummer verboten worden war. Das Unternehmen hatte Verbraucher angerufen, ihnen mitgeteilt, sie hätten etwas gewonnen und sie für weitere Informationen zum Drücken einer Taste an ihrem Telefonapparat aufgefordert. Dadurch war eine Verbindung zu einem 0900-3-Dienst aufgebaut worden und zwar sogar dann, wenn im Telefonanschluss eine 0900-Sperre eingerichtet war (siehe TeleTalk 5/2008). Die Bundesnetzagentur hatte die Rufnummer abgeschaltet, ein Rechnungslegungs- und Inkassoverbot ausgesprochen und das Geschäftsmodell untersagt. Dagegen hatte sich das Unternehmen per Eilantrag gewehrt. Das VG Köln hat diesen Eilantrag jedoch abgelehnt. Zum Schutze der Verbraucher sei es nötig, dass das Verbot sofort gelte, so die Richter. Gegen die Entscheidung kann noch Beschwerde eingelegt werden.
Susanne Feldt
0118xy: Die Auskunft - und mehr

Die Rufnummer 118xy, über die, so ist es vorgeschrieben, grundsätzlich eine Auskunftsleistung erbracht werden muss, bietet als interessante Ergänzung die Weiterleitungsoption. Anrufer auf einem Auskunftsservice unter 118xy können also direkt mit einer anderen Rufnummer verbunden werden, diese Weiterleitung wird mit einem eigenen Weiterleitungs-Tarif bezahlt. Dieser Tarif kann deutlich über zwei Euro die Minute liegen, denn anders als Premium Rate 0900 ist die 118xy nicht von den gesetzlichen Vorgaben über Maximaltarife betroffen. 118xy-Rufnummern werden daher auch eingesetzt, um Premium-Inhalte verfügbar zu machen, die nicht von 0190 auf 0900 gewechselt sind und somit Minutenpreise von beispielsweise 2,99 oder 3,99 Euro die Minute erzielen.
Markt: Rundum informiert über die Servicenummer
Banken, Versicherungen, Call Center, Energieversorger, Versandhändler, Touristikunternehmen, Markenartikler, IT- und TK-Anbieter, Transport und Logistikunternehmen – sie alle nutzen Servicenummern. Vorteil: Die jeweilige Nummer ist bundesweit einheitlich, leichter zu merken und lässt sich flexibel zu unterschiedlichen Standorten routen. Die Anbieter haben zudem diverse Statistiktools zur Beobachtung des Anruferverhaltens, zur Überprüfung des Service Levels und Steuerung der Call Center-Auslastung im Portfolio.
Geld: Preisgestaltung nach Wunsch

Servicenummern haben ihre Preis. Für gewöhnlich richtet er sich nach der fünften Ziffer und legt einen bestimmten Minutentarif beziehungsweise die Kosten für den gesamten Anruf fest. Dabei ist zu jedoch bedenken, dass bei Anrufen aus den Mobilfunknetzen deutlich höhere Kosten anfallen können. Insbesondere bei Rufnummern unter 0900 gilt, dass die Telefonkosten einen Minutenpreis von zwei Euro beziehungsweise einen Blocktarif von 30 Euro je Anruf nicht überschreiten dürfen. Unterhalb dieser Grenze gibt es keinerlei Festlegung, die 0900 ist voll flexibel und kennt keine festen Tarife. Bei der 118xy können durch die Weiterleitungsoption jedoch auch im Festnetz Telefonkosten von über zwei Euro die Minute entstehen.
Premium-SMS: Korrekte Angebote
Die Premium-SMS ist eine praktische Bezahlmethode per Handy, mit der sich schnell und unkompliziert Dienstleistungen per Telefonrechnung begleichen lassen. Kreditkarten- oder Kontonummern sind hierzu nicht erforderlich. Premiums-SMS haben fünfstellige Rufnummern, die Tarife liegen über den normalen SMS-Kosten.
Derzeit befindet sich das Telekommunikationsgesetz im Novellierungsverfahren - in den bisherigen Entwürfen sind auch neue Vorschriften für Angebote per Premium-SMS enthalten - insbesondere für Abonnement-Dienste. Die geplanten gesetzlichen Regelungen betreffen Vorgaben zu Preisinformationen, Handyshake-Verfahren und Bill-Warnings. Bis sie in Kraft treten, sollten sich Anbieter von P-SMS-Diensten und -Inhalten, die sich nicht dem Vorwurf des Betrugs aussetzen möchten, an freiwilligen Vorgaben etwa des FST, Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste e.V. oder des neuen Verhaltenskodex, Mobile Code of Conduct, der Anbieter mobiler Mehrwertdienste halten. Die spziellen Regelungen zum Mobile Payment des FST sind seit Oktober 2005 in Kraft, der Mobile CoC der Mobilfunker wurde im August 2006 beschlossen. Beide geben Orientierung bei der Gestaltung korrekter Mobile Payment-Dienste.
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