Kommt jetzt die mobile Werbung?

Von TeleTalk-Redaktionsleiter Christoph Pause, pause(at)teletalk.de
Die Meldung lässt aufhorchen: Der Mobilfunkanbieter Blyk hat nach eigenen Angaben in Großbritannien innerhalb weniger Monate 100.000 Kunden für seine Dienste gewonnen. Das ist nicht ungewöhnlich, aber – die Nutzer akzeptieren Werbung, und zwar viel Werbung, auf ihrem Handy. Im Gegenzug dürfen sie kostenfrei telefonieren und SMS verschicken. In wenigen Monaten will das Unternehmen seine Dienste auch in Deutschland anbieten.
Ist Mobile Marketing also doch ein Projekt mit Zukunft? Folgt man Blyk, lautet die Antwort „Ja“. Die Responsequote beträgt 29 Prozent, die Kampagnen sind so erfolgreich wie über kein anderes Medium. Offensichtlich lassen sich auf diesem Weg Kunden gewinnen und Waren absetzen, besser als per E-Mail, über das Internet oder mit klassischem Telefonmarketing. Die Kampagnen, sagt Blyk, seien so erfolgreich, weil sie zielgruppen-spezifisch gestaltet seien und die Empfänger genau die Informationen erhielten, die sie benötigen. Und das Ganze auch noch so aufbereitet, dass die Empfänger die Werbebotschaften gerne lesen und die Interaktionsangebote begeistert nutzen. Gerade daran mangelt es nach Ansicht von vielen Branchenbeobachtern den meisten Mobile Marketing-Kampagnen, die bislang durchgeführt wurden.
Aber: Bevor Unternehmen und Agenturen mit wehenden Fahnen zur mobilen Werbung überlaufen, sollten sie einen zweiten Blick werfen auf das, was Blyk tut. Das Unternehmen adressiert explizit die Gruppe der 16- bis 24-Jährigen, die gleichsam mit dem Handy am Ohr auf die Welt gekommen sind. Diese Gruppe akzeptiert die Werbung auf dem Handy, aber auch nur, weil sie dafür gratis telefonieren darf. Dafür nehmen sie in Kauf, sechs Werbebotschaften am Tag zu erhalten. Ob Geschäftsleute und gutverdienende Mittvierziger dazu bereit wären, Zielgruppen, die für Unternehmen ja auch interessant sind, ist die große Frage.
Blyk zeigt, dass Mobile Marketing funktionieren kann, wenn die Kampagnen sehr zielgruppen-orientiert gestaltet sind und wenn der Nutzen für die Kunden erkennbar und spürbar ist. Das Beispiel macht aber auch deutlich, dass die Mobile Marketing-affinen Kundengruppen heute noch vor allem Jugendliche sind, eine Zielgruppe, die nicht für alle Unternehmen und Produkte interessant ist. Mobiles Marketing hat wohl Zukunft, aber Unternehmen brauchen dafür einen langen Atem.
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