In geheimer Mission

Von TeleTalk-Redaktionsleiter Christoph Pause, pause(at)teletalk.de
„Stimmt es, dass Sie noch Telekom-Kunde sind?“, flötet abends gegen 18 Uhr die junge Frau am anderen Ende des Telefons. Komische Begrüßung, denke ich. Stattdessen nennt sie ihren Namen, allerdings so schnell, dass er nicht zu verstehen ist. Zu verstehen gibt sie aber, dass sie für O2 Deutschland anruft. „Zahlen Sie mehr oder weniger als 25 Euro im Monat für den Anschluss?“, fährt sie fort. Was sie das anginge, will ich eigentlich fragen, begnüge mich aber damit, sie darauf hinzuweisen, dass ich nicht angerufen werden möchte und sie keine Erlaubnis von mir für das Telefonmarketing hat. „Nein, hab ich nicht“, antwortet sie, „aber ein tolles Angebot." Interessiert mich nicht. Und außerdem soll mich O2 nicht mehr anrufen, fordere ich sie auf. Klack – sie legt auf, ohne sich für die Störung zu entschuldigen, ohne Abschiedsgruß. Na toll. Fünf Minuten später klingelt das Telefon erneut, und es meldet sich – O2 Deutschland. Dieses Mal ist es eine andere Dame. Auch sie begrüßt mich nicht, fällt mit der Tür ins Haus und legt einfach auf, als ich sage, dass dieser Anruf unerlaubt sei und zudem überflüssig, weil ich das Gleiche bereits vor fünf Minuten gesagt habe. Wirklich interessant ist aber: O2 Deutschland versichert auf Nachfrage, gar keine Kampagne zur Neukundengewinnung durchzuführen. Und der Mobilfunkbetreiber versichert, er halte sich erstens immer an datenschutz- und wettbewerbsrechtliche Vorgaben und habe, zweitens, niemanden beauftragt, Verbraucher anzurufen. Stellt sich die Frage, wer da angerufen hat.
Es sind solche Anrufe, die Verbraucher ärgern, und sie zeigen: Unternehmen scheren sich immer noch nicht um die geltende Gesetzeslage, nutzen wahllos Adressen, und die Agents sind auch noch unhöflich und müssen mit einem miserablen Skript arbeiten. Kein Wunder, dass selbst die wirtschaftsliberale FDP Handlungsbedarf sieht und Gesetzesverschärfungen fordert. Kein Wunder auch, dass es im Bundestag keinen nennenswerten Widerstand gegen ein Bußgeld von 50.000 Euro für jeden unerlaubten Werbeanruf gibt.
Das Beispiel macht deutlich: Die Selbstkontrolle der Unternehmen beim Telefonmarketing funktioniert (noch) nicht, die Politik muss sich darum kümmern, Verbraucher vor unerwünschten und unerlaubten Telefonanrufen zu schützen. Es zeigt darüber hinaus, dass es sinnvoll ist, bei telefonisch geschlossenen Verträgen über einen TK-Anbieterwechsel eine schriftliche Bestätigung einzuführen. Denn was wäre geschehen, wenn O2 oder wer auch immer meinen Anschluss bei der Telekom gekündigt hätte, O2 mir aber gar keinen Anschluss bereitgestellt hätte, weil es diesen Anruf nicht durchgeführt hat?
Es ist noch ein langer Weg, bis Outbound-Telefonie und Werbeanrufe den Ruch des Unseriösen und des Druckverkaufs verlieren. Auftraggeber und Dienstleister müssen noch einiges tun, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Anrufe wie die beschriebenen helfen auf diesem Weg nicht.
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