Datenschutz: Die Branche schweigt

Von TeleTalk-Redakteurin Susanne Feldt, feldt(at)teletalk.de
Die Bundesnetzagentur ist sauer. Wie die übrigen Normalsterblichen erfährt auch sie von den inzwischen zahlreichen Datenverlusten, Zugriffslücken und Datendiebstählen bei der Deutschen Telekom immer erst aus der Zeitung. Und wie es aussieht, hat die Telekom das Auftauchen von 17 Millionen T-Mobile-Kundendaten vor zwei Jahren bei einem Erotikunternehmer auch auf dem erst wenige Wochen alten Datenschutz-Krisengipfel beim Bundesinnenministerium nicht erwähnt. Die Informationspolitik der Telekom beschränkt sich demnach auf zweierlei: Nur zugeben, was nicht länger verheimlicht werden kann. Und vor allem darauf hinweisen, dass all dies die Kunden nicht verschreckt hat. Denn das ist die Hauptsache.
Was sagt uns das? Dass den Kunden die Verwendung ihrer Daten egal ist? Dass der Datenschutz als Kundenbindungsinstrument folglich überhaupt nicht taugt? Dass Datenschutz zwar im Gesetz steht, Hinweise auf seine Nichtbeachtung aber allenfalls als leichte Kritik zu verstehen sind, die man nun „verstanden habe“, wie René Obermann wiederholt versichert? Dass es also insgesamt dem Management eines Unternehmens herzlich egal sein kann, wenn Datenschützer mal wieder deutlich werden? Sollen sie doch schreien. Das Geschäft läuft.
Den Hinweis, es sei bislang zu keinen nennenswerten Reaktionen der Kunden gekommen, hört man häufig dieser Tage. Und er dürfte stimmen. Ein massenhafter Anbieterwechsel bleibt aus. Beruhigend sollte man das besser nicht finden: Denn zum einen wissen die Betroffenen bisher gar nicht, dass sie konkret betroffen sind – diesen Teil der Informationspolitik spart man sich in Bonn – und zum zweiten kehrt niemand der Telekom den Rücken, der nicht weiß, wohin. Denn wenn es der Branchenprimus mit den Daten schon nicht so genau nimmt, wer bitte denn dann? Dazu passt die verdächtige Stille an der Wettbewerberfront. Normalerweise hält man sich dort nicht zurück, wenn es gilt, das Verhalten der Telekom lautstark zu missbilligen. Doch weder Vodafone noch E-Plus, weder Hansenet noch Versatel brüsten sich mit besserem Datenschutz. Keiner der Wettbewerber wagt sich vor, keiner will es besser machen, keiner prangert die Telekom an, die doch sonst so einfach zu beschimpfen ist. Stattdessen benennt man zaghaft eine ehemalige Ministerin als Ombudsfrau. Für alle Fälle. Wird also beim Thema Datenschutz einer ganzen Branche bange? Es sieht ein bißchen so aus, und die Kunden ahnen es. Dass es bislang nicht zu einem Missbrauch der Daten gekommen ist, ist ein falscher Trost, auch wenn die Telekom sich noch so häufig an ihn klammert. Denn das ist erstens nicht ihr Verdienst und kann sich zweitens von heute auf morgen ändern. Und spätestens, wenn sie fragwürdige Abbuchungen von ihren Konten entdecken, ist es mit der Duldungsstarre der Verbraucher vorbei.
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